04.08.2010

Francisco Martín Molina – der van Gogh von Málaga

Um 14:15 Uhr von KRZ-Redaktion in Blog-Unterricht: der Schul-Blog

GGSStudienfahrt Andalusien. Sechs Tage sind die Schüler des Goldberg Gymnasiums Sindelfingen in Málaga und anderen Städten unterwegs. Auf dem Programm steht unter anderem aber auch ein Besuch bei dem Künstler Francisco Martín Molina. Drei Schüler und die Lehrerin des Spanisch-Kurses besuchen diesen vertretend für die ganze Gruppe in seinem Atelier in Torre de Mar/Málaga.

Von Jessica Merle, Daniela Brüggemann und Roberto Gómez

Wir betreten das angenehm kühle Atelier des Künstlers und er begrüßt uns mit einem charmanten Lächeln. Er führt uns munter schwatzend durch sein kleines Reich der Kunst. Seit 1989 ist Señor Molina als Künstler, Bildhauer und Tierpräparator tätig, wobei letztere zu seinen Favoriten gehören. Inzwischen hat er sich eher den Skulpturen zugewandt; seine Aufträge erhält er von Rathäusern für Straßen oder verschiedene Museen.

Sein Atelier ist voller vielfältiger Werke. Ein Highlight ist eine Picassoskulptur, die er innerhalb von zwei Stunden aus Ton angefertigt hat. Zudem entdecken wir die Nachbildung eines Dackels; wir erfahren, dass dies ein Abbild seines eigenen Hundes ist. Er erzählt uns die Geschichte vom „perro paralítico“, dem querschnittsgelähmten Dackel. Er hat für das Tier eine Hilfsprothese hergestellt, die es ihm möglich macht zu laufen und gleichzeitig als Spielzeug diente.

Er zeigt uns noch einen anderen Hund, zu dem es natürlich auch eine besondere Geschichte gibt, den „perro meando“ (dt. pinkelnder Hund). Mit ihm ist er durch alle Provinzen Spaniens und zu berühmten Monumenten in Europa gereist, um ihn dort zu fotografieren. Diese Fotos präsentiert er uns voller Stolz. Rund zwei Stunden führt er uns durch sein Atelier und seine Präparierwerkstatt. Von den Wänden starren uns sowohl Wildschwein- Stier- und Hirschköpfe, als auch Fische mit ihren Glasaugen an. Zu seinen Besitztümern gehört auch ein kleines Warzenschwein, eines von vielen Geschenken aus Afrika. Allerdings müssen diese in der Werkstatt bleiben, da seine Frau keine afrikanische Kunst mag – und er mag seine Frau natürlich lieber als die afrikanische Kunst.

In einem anschließenden Interview haben wir die Gelegenheit mehr über seine Kunst und seine Inspiration zu erfahren.

Gibt es Merkmale oder Symbole in Ihren Bildern?“, fragen wir ihn. Seine Art des Malens sei immer dieselbe; die Themen seien sehr persönlich – sie spiegeln seine Erfahrungen, sein Leben, seine Sorgen, sowie seine Begeisterung für etwas oder jemanden wieder, z.B. die Flamencotänzerin Lola Flores, die er sehr bewundert. Er hat auch viele Bilder von seiner Tochter in den verschiedenen Abschnitten ihres Lebens, beispielsweise als kleines Mädchen oder später als Jugendliche, gemalt. Eines jedoch hat er nie gemalt: Landschaften. Er hält dies für langweilig und gewöhnlich.

Er sieht seine Malerei als Zufallsmalerei. Er sucht seine Themen nicht im Voraus, sondern nimmt vielmehr eine Leinwand, lässt darauf einige Flecken entstehen und findet so heraus, was er malen möchte. Zu seinen verwendeten Materialien gehören nicht nur Öl- und Acrylfarben, sondern auch Polyester und Sand. Eine Ungewöhnlichkeit ist die Verwendung von Tierblut. Wir wollen wissen, was er mit seinen Bildern ausdrücken will. Seine Antwort fällt kurz aus: „Nada“ Darauf sind wir nicht gefasst. Er sieht unsere Verwunderung und erklärt uns, dass seine Arbeit den Betrachtern einfach nur gefallen soll und er nichts Lehrreiches erschaffen möchte. Anfänglich sei die Kunst für ihn leichter gewesen, später sah er sie eher als Kampf an, da die Menschen immer anspruchsvoller werden. Er sagt, er habe das Pech Künstler zu sein und wisse, dass viele „verrückt“ enden. Eine Anspielung auf den Surrealisten Salvador Dalí, von dem er sehr angetan war.

Dies leitet uns in unsere nächste Frage über: „Haben Sie ein Idol?“ Einerseits möge er die Überraschungen in den Werken von Dalí, andererseits habe er auch viel für Edvard Munch und Picasso, der gute und schlechte Bilder gemacht hat, übrig. Seine Lieblingskünstler seien aber van Gogh und andere Impressionisten.Auf die Frage, ob er sich mit einem vorangegangenen Künstler vergleichen könne, antwortete er trocken: „van Gogher hat bis zu seinem Tod auch nichts verkauft.“ (Das stimmt natürlich nicht: die bekannte Statue des Alfons XII. am Balcon de Europa in Nerja stammt von ihm.

Zum Abschluss dieses interessanten Interviews überreichen wir ihm ein kleines Präsent aus Deutschland: ein Buch über die Region Baden-Württemberg. Er bedankt sich und verabschiedet uns.


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