Marie ist Studentin, Praktikantin in einem Verlag. Dort lernt sie den Schriftsteller Rupert kennen, 33 Jahre älter als sie, zweimal geschieden und bereits Vater und Großvater – keine gute Voraussetzung für eine auf Dauer angelegte Beziehung. Und doch hält diese 20 Jahre, bis zum Tod Ruperts. Unspektakuläre Jahre, aber erfüllt von Zuneigung und gemeinsamen Interessen, vom Schreiben, Erzählen und Lesen. Der Lebensstil der beiden ist einfach, ein gemietetes kleines Haus in Ostfriesland, später eine Wohnung mit Freunden in Hamburg. Freunde sind wichtig, der Gedankenaustausch mit ihnen, die Natur in ihren jahreszeitlichen Erscheinungen.
Klingt in der Zusammenfassung langweilig, aber die zarte Sprache, die Formulierungskunst der Autorin erzeugen Bilder, die lange haften bleiben. Es sind nur Momentaufnahmen aus beider Leben, eine Mischung von Alltäglichkeiten und tiefen Gedanken über gesellschaftliche Gegebenheiten, über Gerechtigkeit, Freundschaft und Liebe, über die Schönheit des Lebens und den Tod.
Nach dem Krebstod Ruperts sinniert Marie teils im Rückblick, teils in fiktiven Briefen an ihren verstorbenen „Feuerfreund“ über die 20-jährige Lebensgemeinschaft. Kein Idealmann wird dabei beschrieben, negative Eigenschaften werden nicht unterschlagen, aber das Wesentliche, die starke Liebe zueinander, gleiche Wertvorstellungen als Voraussetzung gelungenen Lebens sind unverkennbar.
„Feuerfreund“ nennt ihn die Autorin, weil er gerne Kerzen entzündet und die Glut im Ofen am Leben hält. Liebe, Freundschaft, Krankheit und Tod – am Ende des Romans beginnen wir, ihn noch einmal von vorn zu lesen, wissend, dass wir eine hochtalentierte Autorin kennengelernt haben.
Sabine Peters: Feuerfreund. Wallstein-Verlag 2010. 219 Seiten, 19 Euro.
Von Rita Mücke, ehemalige Leiterin der Stadtbibliothek Böblingen