27.04.2011

Besser vier Monate im Voraus tippen

Um 05:15 Uhr von kruellinger in Allgemein, Fußball-Blog

BALLDas Osterfest endete für mich mit einer freudigen Überraschung, beim Nachholspieltag am Ostermontag gab’s ordentlich Punkte! Den 3:1-Sieg der Böblinger in Gärtringen hatte ich richtig getippt und sogar das 1:1 des TSV Hildrizhausen. Und das obwohl die Tipps ja Anfang Dezember im Kasten waren! Da sich meine Ausbeute bei den aktuellen Spieltagen schwer in Grenzen hält, sollte ich diese Technik wohl immer anwenden. Also liebe Sportredaktion, könnt ihr mir bitte mitteilen, welche Spiele Ende August beim KREISTIPP anstehen? Danke für den Hinweis. Dabei weiß man ja noch nicht mal, ob die Landesliga in der kommenden Saison womöglich kreisfrei ist!? BB und Sifi rauf, der Rest runter. Und von der Bezirksliga Althengstett rauf – voilá! Wollen wir’s nicht hoffen (BB und Sifi natürlich ausgenommen). Aber einen aus dem Kreis wird’s in der Landesliga wohl erwischen… Wir werden sehen, Euch allennoch spannende Spieltage! Gruß


20.04.2011

Langer Lauf in KW 18

Um 07:11 Uhr von in Allgemein, KRZ-Team beim Stgt-Lauf

Liebe Mitläufer/innen,

weiß jemand, ob der lange Lauf nun am 07.05. oder am 08.05. und zu welcher Uhrzeit stattfindet?
Bin leider nicht in Facebook (falls da eine Abstimmung stattfand…)
Grüße und bis morgen,
Steffi


19.04.2011

Vom unbedingten Wahren des schönen Scheins

Um 15:52 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Mücke DonnerstagswitwenWir sind in Argentinien, in einer dieser modernen, mit Zäunen und Wachmannschaften versehenen Siedlungen nahe der Hauptstadt Buenos Aires. Es sind die 90er Jahre, nicht wenige aus der Mittelschicht sind durch den wirtschaftlichen Boom reich geworden. Es ist kein alter Reichtum, sondern neuer – ein Reichtum, der immer gefährdet ist, sich durch wirtschaftliche Tiefs wieder aufzulösen.
So künstlich wie die Siedlung – so falsch ist der schöne Schein in vielen der Familien, die sich in Atos de la Cascada ein Haus gekauft haben. Das Leben, das wir im Roman verfolgen, ist bestimmt vom Wahren des hohen Lebensstandards: Privatschulen für die Kinder, teure Autos, Golf, Tennis. Wo die Wirklichkeit ihren Kopf erhebt, wird mit allen Mitteln versucht, die Illusionen aufrecht zu erhalten. Familienväter, die arbeitslos werden, vertuschen das mit hohem Aufwand, die Rituale des guten Lebens werden unbedingt beibehalten.
Die titelgebenden Donnerstagswitwen treffen sich jede Woche zu einem Frauenabend, ihre Männer bei Wein und gutem Essen zum Herrenabend. Und in beiden Gruppen wird das Gesicht gewahrt, allenfalls kleinere Probleme in der Familie zugegeben. Alkoholsucht, Untreue, Gewalt gegen die Ehefrau – gibt es nicht. Aber durch die sich verschärfenden Wirtschaftsprobleme wird Vertuschung immer schwieriger, und so reift ein gefährlicher Plan.
Zugegeben, der Inhalt des Romans klingt eher trist, aber die Sprache der Autorin vermittelt mit Tiefe und auch Humor ein sehr lebendiges Gesellschaftsbild. Wir Leser wechseln während des Lesens unsere Loyalitäten und Sympathien. Ja, wir empfinden durchaus auch Sympathien für einzelne Personen. Das zeigt die Kunst der Autorin, die innerhalb kurzer Zeit auch außerhalb ihrer Heimat zu hohem Ansehen gekommen ist.

Claudia Sally Pineiro: Die Donnerstagswitwen. Aus dem Spanischen. Unionsverlag 2010. 315 Seiten; 19,90 Euro

Von Rita Mücke, ehemalige Leiterin der Stadtbibliothek Böblingen


19.04.2011

Die zwei Königskinder werden zu Schicksalsreitern

Um 15:49 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Jani SchicksalsreiterIm Königreich Gelen herrscht Aufruhr. Jemand scheint zu versuchen, Zwietracht zwischen Königin Derimacheia und ihren Nachbarn Damasos, dem König des Nachbarlandes Gargarien, und Antheia, der Königin des Frauenvolkes, zu sähen. Der magische Gürtel, der Derimacheia unbesiegbar machen soll, ist plötzlich verschwunden. Mit ihm verschwinden unter mysteriösen Umständen Elias, der Sohn der Königin, und Clonie, die Tochter der Amazonenkönigin Antheia. Doch wer zieht die Fäden im Hintergrund? Clonie und Elias schaffen es zunächst, den Verrätern zu entkommen, werden dann aber gnadenlos von den Verschwörern verfolgt. Ihre einzige Chance besteht darin, die Wahrheit heraus zu finden und die Verschwörer zu entlarven.
Die selbstbewusste Clonie übernimmt die Führung. Sie ist nicht nur eine meisterhafte Bogenschützin, sondern hat auch ein ganz besonderes Verhältnis zu Pferden. Auf der langen Reise zu dem allwissenden Orakel Medeia müssen Clonie und Eilas mit Hilfe ihrer Pferde viele gefährliche Situationen meistern. In den Bebenden Bergen kommt es schließlich zum spannenden Showdown. Die Verschwörer werden am Ende ihrer gerechten Strafe zugeführt.
Astrid Frank hat – inspiriert durch das neunte Abenteuer des griechischen Helden Herakles – einen soliden und im Laufe der Handlung zunehmend spannenden Fantasyroman geschrieben, und mit Clonie eine sympathische Identifikationsfigur für junge Leserinnen geschaffen. Neben den starken Frauenfiguren bietet das Buch ein breites Tableau an Männerfiguren von Elias (sympathisch) bis zu Gavril (widerwärtig). Genügend Stoff also, um die Spannung bis zum dramatischen Ende aufrechtzuerhalten.
Der Roman kann daher für Leserinnen ab 13 Jahren empfohlen werden. Vor allem dann, wenn sie gerne Fantasy lesen, Pferde mögen und einmal nicht vom Vampir gebissen werden möchten.

Astrid Frank: Schicksalsreiter, Thienemann 2010, 14,90 Euro

Von Andreas Jani, Kinder- und  Jugendbibliothekar der Stadtbibliothek Böblingen


19.04.2011

Ein unerschöpfliches Buch über die Kunst des Reisens

Um 15:45 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Willemsen RenzAls Roger Willemsen im Herbst letzten Jahres in Sindelfingen sein neustes Buch vorstellte („Die Enden der Welt“), las er keine Zeile daraus, aber er zündete ein Feuerwerk von Geschichten, verblüffend und erhellend. In Buchform sind sie noch vielschichtiger. Roger Willemsen erzählt in 22 Kapiteln von Orten, an denen die Welt endet. Das kann die heimatliche Eiffel sein, die einem nichts mehr sagt, ein Krankenhauszimmer, in dem ein Junge stirbt und von einer Reise ans Ende der Welt träumt, oder tatsächlich eine gänzlich fremde Region wie Feuerland oder Sibirien.
In Birma setzt sich Willemsen in die Holzklasse eines Zuges. Mit ihm reist ein ärmliches Ehepaar, das nach Hause fährt, in den Krieg. Sie kommen ins Gespräch. Willemsen erfährt, dass die beiden in den Süden gereist sind, um einmal in ihrem Leben das Meer zu sehen. Aber die Staatsgewalt hat ihnen den Zugang zum Meer verwehrt, und so haben sie gehorsam die Rückreise angetreten. Roger Willemsen will den Norden Birmas kennen lernen, aber das Dorf des Ehepaars wird er nicht erreichen, denn Fremde erhalten keinen Zutritt: So resümiert der Autor: „Sie werden das Meer nicht sehen und ich nicht ihr Dorf.“ Für beide endet also in Birma eine Welt. Ihnen bleibt nur eine Möglichkeit: Sie reden miteinander, sie tauschen Geschichten aus.
Der Leser lernt Erstaunliches über Birma und seine Menschen, aber erfährt noch viel mehr, denn Roger Willemsen erzählt immer mehrere Geschichten gleichzeitig. Die Geschichte über Birma beginnt in der Heimat des Autors: „Aufgewachsen bin ich in jener Hügellandschaft, die man geographisch die Voreifel nennt.“ Auch hier findet sich das Meer: in der Phantasie des kleinen Roger.
In Willemsens neuem Buch ist alles verwoben: Eigenes und Fremdes, Realität und Vorstellung, Beobachtung und Reflexion. Roger Willemsen reist nicht nur, er denkt auch über das Reisen nach. Indem er an Grenzen stößt, erweitert er die eigenen. So ist ein kluges, reiches, welthaltiges Buch entstanden, voller kleiner und großer Geschichten, voller Farben, Gerüche und Klänge, mit der Vergänglichkeit als großem Thema, ein unerschöpfliches Buch über die Kunst des Reisens.

Roger Willemsen: Die Enden der Welt, Fischer 2010.

Von Jan Renz, Literatur- und Musikkritiker der KREISZEITUNG


19.04.2011

Alle werden gnadenlos in den Strudel des Krieges gezogen

Um 15:42 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Mücke MarschDer titelgebende Marsch findet statt in den Südstaaten Amerikas im Jahr 1865, zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs, angeführt durch den siegreichen Nordstaatengeneral Sherman.
In Szenen, die dem Leser lange nachgehen, wird er Zeuge, wie die Soldaten gnadenlos morden und plündern, wie ihr Menschsein auf der Strecke bleibt. Nicht hungern müssen, nicht leiden müssen – mehr interessiert die desillusionierten Soldaten, die mitmarschierenden Abenteurer und die entlaufenen Sklaven nicht.
In großartigen Einzelgeschichten entsteht ein gewaltiges Epos dieses Krieges, der doch Gutes bewirken sollte: die Befreiung der Sklaven und den Zusammenhalt von Nord- und Südstaaten. Lesend leiden wir mit und verspüren Abscheu und Widerwillen. Aber wir merken auch, wie gefesselt wir werden von den gewaltigen Bildern, die der Autor in uns aufsteigen läßt.
War womöglich der amerikanische Bürgerkrieg der erste „moderne“ Krieg? Modern in dem Sinne, dass nicht nur Soldaten gegeneinander kämpfen, sondern ein ganzer Lebensstil ausgerottet und gnadenlos Jung und Alt, Soldat und Zivilist in den Strudel des Krieges gezogen wird. Der Autor weiß, dass der Leser stärker durch die Schilderung von Einzelschicksalen in Bann gezogen wird, und er fängt uns ein mit der Beschreibung von Erlebnissen einer befreiten Sklavin, eines ausländischen Beobachters und zweier Deserteure.
Nach der Lektüre sind wir fasziniert und geschockt, aber eine Fortsetzung würden wir garantiert lesen wollen.

Edgar L. Doctorow: Der Marsch; Fischer, 10.95 Euro

Von Rita Mücke, ehemalige Leiterin der Stadtbibliothek Böblingen


19.04.2011

Sindelfingen, die schönste Stadt auf der ganzen Welt…

Um 15:40 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Jani ZuhauseOb Finja aus Russland, Yavrum aus der Türkei, Arianna mit ihren deutsch-italienischen Wurzeln oder Kiyoshi mit seinem japanischen Vater, alle haben eines gemeinsam: Sie leben zwischen zwei Kulturen.
Diese Sammlung von Geschichten, Gedichten und Gedanken rund um das Thema Migration erzählt vom Leben junger Menschen in Deutschland. Es geht dabei um das Gefühl, fremd oder anders zu sein, aber auch um das Ankommen in einem neuen Kulturkreis. Manchmal sind die Texte lustig und ironisch, manchmal eher traurig oder nachdenklich stimmend.
Verfasst wurden die Kurzgeschichten von Autoren mit und ohne „Migrationshintergrund“. Dazwischen kommen die jungen Migranten selbst zu Wort. Die kurzen Texte und Gedichte der Jugendlichen sind im Rahmen verschiedener Schreibwerkstätten in Berlin entstanden. Die Kurzgeschichten der „professionellen“ Autoren sind allesamt sehr gut gelungen. Was die Erzähltechnik betrifft, bewegen Sie sich meist auf einem hohen Niveau, ohne deshalb die jugendlichen Leser zu überfordern – Jugendliteratur im besten Sinne also. Selbst der kein Klischee auslassende Beitrag von Jochen Till taugt hervorragend dazu, die Themen Integration und Toleranz herzhaft und kontrovers zu diskutieren.
Den starken Anfang macht die Erzählung „Gulag Fantasy“ von Veronika Rotfuß. Aus der Sicht von Finja – einem Mädchen aus Russland mit deutschen Vorfahren – werden die Probleme geschildert, mit denen Finjas Familie hier in Deutschland zu kämpfen hat. Herausgekommen ist dabei eine witzig-ironische Geschichte, die mitunter an Erzählungen von Wladimir Kaminer erinnert.
Die letzte Erzählung findet ihr glückliches Ende schließlich in Sindelfingen, „der schönsten Stadt auf der ganzen Welt . . .“
Dieses Buch kann nicht nur als Klassenlektüre zum Thema empfohlen werden, sondern ist durchaus auch als Buchgeschenk zum „Privatgebrauch“ geeignet. Für Jugendliche ab etwa 13 Jahren.

Petra Deistler-Kaufmann (Hrsg.): Zuhause ist, wo ich glücklich bin; Carlsen 2011

Von Andreas Jani, Kinder- und  Jugendbibliothekar der Stadtbibliothek Böblingen


19.04.2011

Lehrer sind Außerirdische mit Ringelschwänzchen

Um 15:13 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Jani boomJim genannt „Jimbo“ hat es nicht leicht im Leben. Sein Vater ist arbeitslos und beschäftigt sich nur noch mit Modellflugzeugen, die Mutter hingegen ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau und hat wenig Zeit für die Familie. Auch das Verhältnis zu seiner großen Schwester Lizzy ist angespannt, spätestes seit Jimbo deren Freund vom Balkon aus mit einem Sandwich beworfen hat. Nur gut dass es wenigstens Charlie gibt. Jims Freund und Klassenkamerad ist stets hilfsbereit, aber auch immer für eine Überraschung gut. Durch Zufall kommen die beiden in der Schule einer mysteriösen  Verschwörung auf die Spur. Warum reden die beiden Lehrer Mr. Kidd und Mrs. Pearce in einer Geheimsprache miteinander? Und weshalb sprühen die Augen der beiden manchmal seltsame blaue Funken? Die beiden versuchen hinter das Geheimnis der beiden zu kommen. Bald ist klar, dass es sich bei Mr. Kidd und Mrs. Pearce um zwei Außerirdische – mit Ringelschwänzchen – handelt.
Als die Außerirdischen jedoch merken, dass Jim und Charlie ihnen auf der Fährte sind, wird es für die beiden Jungen gefährlich. Schließlich wird Charlie von den Außerirdischen entführt und Jim entkommt ihnen nur dank der Hilfe seiner Schwester. Gemeinsam machen sich Jimbo und Lizzy auf den Weg nach Schottland, um Charlie zu befreien. Erst nachdem Jim – genauso wie sein Freund – auf den Planeten Plonk gebeamt wird und dort noch einige haarsträubende Abenteuer erlebt, schaffen es die beiden schließlich die Außerirdischen zu überlisten und am Ende auch gleich noch die  Erde zu retten.
Mark Haddon hat eine augenzwinkernde Science-Fiction-Erzählung für Kinder geschrieben, die Elemente eines Road Movies enthält und ganz nebenbei auch noch die Geschichte einer Familienkrise samt Happyend erzählt. Kann das gut gehen? Es kann! Nicht nur Science-Fiction-Fans kommen hier auf ihre Kosten. So erinnert manches an den „Anhalter“ von Douglas Adams und am Ende haben auch die „Men in Black“ ihren Auftritt. Auch Leser, die dem Si-Fi-Genre weniger zugetan sind, werden ihren Spaß haben. Ein Buch zum verschlingen: witzig, spannend und ungeheuer liebenswert. Für junge und jung gebliebene Leser ab zehn Jahren.

Mark Haddon: Boom! cbj 2010;  als Hörbuch (3 CD) bei Oetinger Audio 2010.

Von Andreas Jani, Kinder- und  Jugendbibliothekar der Stadtbibliothek Böblingen


19.04.2011

Nur langsam enthüllen sich die Gründe der Traurigkeit

Um 15:11 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Mücke JuniSchon als 2008 der erste übersetzte Roman des Autors erschien, wurde offenbar, dass hier ein Talent zu entdecken war. In „Oben ist es still“ wird in einer sehr eigenen Sprache vom Lebensweg eines seelisch schwer getroffenen Mannes erzählt, eines Bauernsohnes, der lange braucht, um aus seiner Verbitterung herauszufinden. Der neue Roman „Juni“ spielt wieder in den Niederlanden, auf einem Bauernhof in einem kleinen Dorf. Man spürt sehr bald, dass die drei Generationen, die auf dem Hof leben, ein schweres Schicksal mit sich tragen. Aber nur ganz langsam enthüllen sich die Ereignisse, die die Traurigkeit erklären, die über der Familie Kaan liegt. Wie in einzeln abgetragenen Schichten erfahren wir aus der Rückschau von Zeeger und Anna und ihrer drei Söhne Klaas, Jan und Johan vom tödlichen Unfall der zweijährigen Hanne. Dieke, die fünfjährige Enkelin von Anna und Zeeger, Tochter von Klaas, bringt mit ihrer kindlichen Naivität ein wenig Leben auf den Hof. Der Leser aber versteht erst so nach und nach, warum sich die einzelnen Familienmitglieder so verhalten, wie wir es erleben. Nur wenige Personen außerhalb des Familienverbundes werden in den Roman mit eingebunden.
Kommen dem Leser zu Beginn manche der Handlungen und Gespräche merkwürdig vor, am Ende haben wir sie alle verstanden und empfinden tiefes Mitgefühl. Formal gelang dem Autor ein geschicktes Exposé: In einer Rahmenhandlung lässt er es auch Juni sein, aber 1969. Die „alte“ Königin, gemeint ist Juliana, besucht auch das Dorf der Kaans und sie spricht sehr persönlich mit Anna, die ihre zweijährige Hanne auf dem Arm trägt. Anderentags liest Juliana die Berichte über ihren Besuch in der Dorfpresse und erfährt in einer kurzen Mitteilung vom tragischen Tod der kleinen Hanne.

Gerbrand Bakker: Juni, Suhrkamp 2010, 19,80 Euro

Von Rita Mücke, ehemalige Leiterin der Stadtbibliothek Böblingen


19.04.2011

Ein deutscher Mönch gibt Amerika den Namen

Um 15:01 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Jani USAPeter W. Schroeder arbeitet seit 30 Jahren als Korrespondent für einige deutschsprachige Tageszeitungen in Washington. Er hat bereits viele Sachbücher für erwachsene Leser verfasst, unter anderem über Menschenrechtsfragen, zur NS-Geschichte und auch über die europäisch-amerikanischen Beziehungen. Auf diesen reichen Erfahrungsschatz kann der Autor zurückgreifen, wenn er hier die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika für Junge Leser ab etwa zwölf Jahren auf nur knapp 160 Seiten zusammenfasst. Gelingen kann so ein Unternehmen nur, wenn es der Autor versteht, ein schlüssiges Konzept zu entwickeln. Peter W. Schroeder hat zwei Aspekte der amerikanischen Geschichte ausgewählt. Mit ihrer Hilfe gelingt es ihm, die Geschichte der USA schlüssig nachzuerzählen.
Das eine ist die Außenpolitik der USA, die zu jeder Zeit stets den aktuellen Entwicklungsstand dieser jungen Nation wieder gespiegelt hat. Der andere Aspekt sind die inneren Antriebskräfte, die das innen- und außenpolitische Handeln der Vereinigten Staaten bestimmt haben. Schroeder spannt den Bogen von der erstmaligen Besiedlung Nord- und Südamerikas während einer Eiszeit bis zur Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten im Jahr 2009.
Die bunte Sammlung interessanter Fakten macht diese Buch zu einer unterhaltsamen und zugleich lehrreichen Lektüre für junge, aber auch erwachsene Leser. Denn auch wenn man in jungen Jahren während des Geschichtsunterrichts nicht geschlafen hat und täglich fleißig die Tageszeitung liest, wird man hier noch das eine oder anderer interessante und mitunter auch skurrile Detail zur Geschichte Amerikas erfahren. So unter anderem auch, dass zwei komplette Kontinente ihren Namen dem deutschen Mönch und Kartografen Martin Waldseemüller verdanken. Dieser hatte mit Hilfe der Tagebücher des Entdeckers Amerigo Vespucci eine Weltkarte gezeichnet und die neuen Kontinente zu Ehren seines Informanten kurzerhand Amerika getauft.

Peter W. Schroeder:  „USA – Die unvollendete Geschichte einer Supermacht“, Arena-Verlag 2010

Von Andreas Jani, Kinder- und  Jugendbibliothekar der Stadtbibliothek Böblingen


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