25.02.2011

Lesertipp: Die große Reise in die Walachei

Um 18:35 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

TschickEin Juwel von einem Buch wurde im Herbst 2010 vorgestellt: Tschick. Ein Roman über zwei 14-jährige Jungen aus der brandenburgischen Provinz, nördlich von Berlin. Sie lernen sich in der achten Klasse kennen und erleben ihre Abenteuer bei Touren durch Ostdeutschland. Die beiden kommen aus unterschiedlichen Elternhäusern und haben doch so vieles gemeinsam. Maik, der Sohn aus reichem Haus, und Tschick, der Russe aus der Hochhaussiedlung. Sie sind viel zu oft alleine mit ihren Problemen. Aus Langeweile überredet Tschick seinen Kumpel Maik in den Sommerferien zu einer Fahrt zu seinen Verwandten in die Walachei. Da sie nicht wissen, wo diese ist, fahren sie einfach immer in Richtung Süden. Eine wunderschöne Freundschaft beginnt. Das Buch ist so fantastisch geschrieben, voller Humor, Traurigkeit und sehr viel Witz. Ein Verlust für jeden, der es nicht gelesen hat. Empfehlenswert für Erwachsene und gleichermaßen für Jugendliche.

Wolfgang Herrndorf: Tschick. Rowohlt 2010

Von Erika Martin-Tacke, Aidlingen


25.02.2011

Sechs Tron-Romane haben Suchtpotenzial

Um 18:28 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Remin Mücke Literatur SchneeMit Alvise Tron, dem Commissario aus Venedig, begeben wir uns in eine Zeit zurück, die Kaiser Franz Joseph von Österreich, Kaiser Napoleon III. von Frankreich, hochmütige Adelige, raffinierte Geldabschneider und skrupellose Attentäter lebendig werden lässt. Die österreichische Herrschaft über Oberitalien wankt, die italienische Einigungsbewegung wird stärker – da wollen viele mitspielen. Aber in Venedig gibt es Commissario Tron, einen Mann aus uraltem, aber extrem verarmtem Adel. Mit seiner Mutter lebt er in einem Palast, der kaum noch bewohnbar ist, aber die harten, armseligen Essensreste werden von einem Kammerdiener auf Silber serviert. Und der alljährliche Maskenball in Trons Palazzo ist das angesagteste Ereignis in Venedig.
Tron ist den Genüssen – hauptsächlich den süßen – des Essens zugetan, er hat Grandezza und einen äußerst wachen Verstand, gepaart mit großem kriminalistischen Gespür. Und so wissen wir: Tron kommt hinter alle verbrecherischen Winkelzüge.
Dem Autor ist mit Alvise Tron ein ungewöhnlicher Ermittler gelungen. Äußerst ungewöhnlich ist aber auch die weibliche Hauptperson, die Principessa. Sie hat einen stark entwickelten kaufmännischen Verstand, viel Geld – aber es fehlt ihr der Geruch alten Adels, in der Gesellschaft gilt sie eher als Emporkömmling. Ein Ausgangspunkt für eine wunderbare künftige Beziehung zwischen ihr und Tron. Aber mit Delikatesse einzufädeln!
Die sechs bisher erschienenen Romane haben Suchtpotenzial: für die Freunde historisch gut recherchierter Bücher, für die Freunde geistreicher Verbrechensaufklärung und auch für die Freunde früher Emanzipationsgeschichten.

Nicolas Remin:
Schnee in Venedig; Venezianische Verlobung; Gondeln aus Glas; Die Masken von San Marco; Requiem am Rialto; Die letzte Lagune.
Rowohlt, 9,95 Euro

Von Rita Mücke, ehemalige Leiterin der Stadtbibliothek Böblingen


25.02.2011

Ringel, Rangel, Rosen, schöne Aprikosen . . .

Um 18:26 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Jani RingelHamburg in den Jahren 1961/62: Die Familien in der „Siedlung“ am Deich haben es sich nach dem Krieg gemütlich eingerichtet. Karin geht im Sommer  zusammen mit ihrer Freundin in der Elbe baden. Am Abend wird gemeinsam mit den Nachbarn – die noch keinen eigenen Fernseher haben -  die Sendung „Firma Hesselbach“ angeschaut. Den auch vor der Behelfssiedlung am Deich macht das Wirtschaftswunder nicht halt. Man lebt beinahe wie im Paradies. Doch als Karin die „Sternenkinder“ von Clara Asscher-Pinkhof liest, ein Buch über jüdische Kinder im Nationalsozialismus, und entdeckt, dass im Familienalbum einzelne Bilder fehlen, bekommt die Idylle Risse. Haben ihre Eltern wirklich nichts gewusst, genauso wie alle anderen Erwachsenen in der kleinen Siedlung?
Und dann kommt im Februar 1962 die große Sturmflut. Der Deich bricht und zahlreiche Wohngebiete entlang der Elbe werden überflutet. Hinterher ist nichts mehr so, wie es vorher war.
Die kleine verschworene Gemeinschaft der Behelfssiedlung gibt es nicht mehr. Die Menschen, die die Katastrophe überlebt haben, leben nun verstreut über ganz Hamburg und verlieren sich aus dem Augen. Karin hatte die Flut gemeinsam mit der alten – aus Ostpreußen stammenden – Nachbarin „Oma Domischkat“ auf dem Dach des elterlichen Hauses überstanden.
Auf Oma Domischkats Beerdigung treffen sich die ehemaligen Nachbarn schließlich wieder und merken dabei, dass die schönen alten Zeiten endgültig vorbei sind.
Kirsten Boie erzählt in ihrem historischen Jugendroman fesselnd und poetisch von den frühen Wirtschaftswunderzeiten, vom Rückzug ins private Glück, von der verbreiteten Verdrängung der Kriegserlebnisse und der fortschreitenden Emanzipation der Jugend. Die große Flut, bei der mehr als 300 Menschen ihr Leben verlieren, bereitet dieser brüchigen Nachkriegsidylle ein Ende und leitet über in eine neue Zeit.
Der Autorin gelingt es meisterhaft, diese Zeit auch heutigen Jugendlichen nahe zu bringen. Eine Zeit, in der nur wenige Familien ein privates Telefon besaßen und das Fernsehprogramm nachmittags um 17 Uhr begann.

Kirsten Boie: „Ringel, Rangel Rosen“, erschienen bei Oetinger, 14,95 Euro

Von Andreas Jani Kinder- und  Jugendbibliothekar der Stadtbibliothek Böblingen


25.02.2011

Blick zurück voller Dankbarkeit

Um 18:22 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Inge JensNach einer Lesung macht Inge Jens eine erschreckende Entdeckung: Ihr Mann und Koautor Walter Jens ist plötzlich nicht mehr in der Lage, das gemeinsame Buch zu signieren. Er kann seinen Namen nicht mehr schreiben. Es sind die ersten Anzeichen einer unheilbaren Demenz. Der Schriftsteller und berühmte Tübinger Professor Walter Jens wird etwas später auch seine Sprache verlieren, eine Tragödie. Davon erzählt Inge Jens am Ende ihrer „Unvollständigen Erinnerungen“.
Inge Jens hat ihr Leben lang über andere geschrieben, nun schreibt sie über sich selbst. Am Anfang ihres Buches begründet sie, warum sie das tut. „Nach 57 Jahren nie abreißender Gespräche bin ich allein – ohne den Menschen, mit dem sich über alles auszutauschen mir so selbstverständlich war wie essen und trinken oder atmen. Mein Mann ist seit langer Zeit schwer krank. Eine Unterhaltung mit ihm ist nicht mehr möglich.“
Auch am Anfang ihres Lebens steht eine Katastrophe: der Nationalsozialismus. Die Zehnjährige schreibt einen Aufsatz: „Als ich Hitler die Hand gab“. Die Hitlerzeit endet im Inferno: Ihre knappen Schilderungen der nicht enden wollenden Luftangriffe auf Hamburg liest man mit Beklemmung. „Ich habe erfahren, was Angst ist, panische Angst.“ Der Krieg wurde so zur entscheidenden Erfahrung ihres Lebens. In dieser Erfahrung wurzelt das spätere Engagement in der Friedensbewegung und auch die Arbeit als Autorin.
Inge Jens blickt mit Dankbarkeit zurück: auf ihr eigenes Leben und das mit Walter Jens. Die Autorin kennt weder Eitelkeit noch Selbstmitleid, sie erzählt mit nüchterner Stimme und nähert sich behutsam großen Persönlichkeiten, sie schildert etwa ihre Begegnung mit Thomas Manns Witwe in Zürich, über die sie viele Jahre später einen Bestseller schreiben wird, zusammen mit ihrem Mann. Von vielen Menschen ist Inge Jens „fasziniert“, ein Schlüsselwort in ihren Memoiren. Erinnerungen sind immer unvollständig. Diese „Unvollständigen Erinnerungen“ enthalten aber die ganze Inge Jens.

Inge Jens: Unvollständige Erinnerungen, Rowohlt Verlag

Von Jan Renz, Literatur- und Musikkritiker der KREISZEITUNG


23.02.2011

Laufen bei dem Wetter?

Um 21:41 Uhr von in Allgemein, KRZ-Team beim Stgt-Lauf

schweinehundIst er nicht süß? Das ist mein Schweinehund!  Den musste ich am Wochenende besiegen, um bei dem bescheidenen Wetter laufen zu gehen! Aber ich habe es doch geschafft. Am Samstag ging ich mit Manu, am Sonntag mit Anja bei Schneeregen und ungemütlichem Wind im Schönbuch laufen.

(mehr…)


23.02.2011

Rock-blog by svo! Midwinter-Metal-Festival mit KISSIN’ DYNAMITE!

Um 02:20 Uhr von svo in Rock-Blog

Es war das gelungene Schwermetall-Happening, das sich der Verein der Heavy-Metal-Friends Baden-Württemberg für das erst Midwinter-Metal-Festival im Sindelfinger Pavillon erhofft hatte.

Natürlich war der Hauptteil der überwiegend dunkel gewandeten Fans wegen des Main-Acts des Abends in den Pavillon geströmt, und KISSIN’ DYNAMITE erfüllt die hochgesteckten Erwartungen voll. Etwa viertel vor zehn gingen die fünf Jungs im Glam-Rock-Outfit auf die Bühne und präsentierten dem begeisterten Publikum ein Metal-Brett, bei dem es nahezu ohne Pause, rund 75 Minuten nur knallhart nach vorne ging. Professionell, als wären sie schon ewig dabei, spielten die gerade mal 20-jährigen Musiker einen Song nach dem anderen, bis alles in ihrer Metal-Hymne „Steel Of Swabia“, von ihrem gleichnamigen ersten Album, gipfelte. Die Fans dankten es mit guter Stimmung und frenetischem Applaus.

KISSIN’ DYNAMITE by Don S. (www.dons-punkt.de)

KISSIN’ DYNAMITE by Don S. (www.dons-punkt.de)

KISSIN’ DYNAMITE by Don S. (www.dons-punkt.de)

KISSIN’ DYNAMITE by Don S. (www.dons-punkt.de)

Bei aller Begeisterung für die Headliner, sollen dabei auch die anderen Bands UMBRA CHAOTICA

UMBRA CHAOTICA by Don S. (www.dons-punkt.de)

FIRST JUDGEMENT

FIRST JUDGEMENT by Don S. (www.dons-punkt.de)

und natürlich CUCUMBER

CUCUMBER by Don S. (www.dons-punkt.de)

nicht vergessen werden, ohne die das Midwinter-Metal-Festival gar nicht hätte stattfinden können und die die Fans mit ihrem Rock bereits ab 18 Uhr am Samstag richtig auf Spur brachten!

Rock-on!

svo


23.02.2011

Rock-blog by svo! Schlank, kahl & stimmgewaltig – SKUNK ANANSIE!

Um 01:26 Uhr von svo in Rock-Blog

In der letzten Woche gastierte die Speerspitze des politisch orientierten Indie- und Hard-Rocks, SKUNK ANANSIE, im LKA in Stuttgart und brachte das bis auf den letzten Platz ausgebuchte Haus zum beben. Druckvoller Sound und vor allem die stimmgewaltige Sängerin SKIN (oder SKINNY), deren optische Markenzeichen – kahler Schädel und extra-schlanker Körper – seit der erfolgreichsten Zeit der Band in den 90er Jahren jedem Musik-Fan bekannt sein dürften, begeisterten das Volk.

SKUNK ANANSIE by Don S. (mehr Fotos auf www.dons-punkt.de)

 

SKIN präsentierte sich, nach wie vor gertenschlank, im hauteng anliegenden Leder-Kostüm und in Extrem-Stilettos, die sie dann gegen schwarze Turnschuhe eintauschte, um mehrfach in der Menge zu baden, sich auf Händen durchs LKA bugsieren zu lassen oder über die Schultern der Fans zur Bar zu gelangen, um vom Tresen aus weiter zu singen … eindeutig ein Star zum Anfassen!

SKUNK ANANSIE by Don S. (mehr Fotos auf www.dons-punkt.de)

 

Musikalisch genial, mit politischen, sozialkritischen und stets aktuellen Texten, powerte die Band dem bunt gemischten Publikum (mit enorm hohem Frauenanteil) Songs aus allen Schaffensperioden entgegen und lud zum Abrocken ein.

 

SKUNK ANANSIE by Don S. (mehr Fotos auf www.dons-punkt.de)

Ein in sich großartiges Konzert der Band, die sich erst 2009 wieder zusammenfand, dass sich sogar Box-Championesse Regina Halmich nicht entgehen ließ, die – auch wenn es keinen Foto-Beweis gibt – von diversen Gästen in der vordersten Reihe der kochenden Fanmenge gesichtet worden war.

Noch ein Wort zur Vorband, THE VIRGIN MARY’S …

the virgin mary's by don s - 2011_MG_1644

… die Engländer waren mehr als nur eine Füllnummer und konnten mit ihrem druckvollen, schweren, von Bass und Schlagzeug getragenen Rock an diesem Abend ganz sicher einige neue Freunde finden!  

Rock on!

svo


16.02.2011

Die Fantastischen Sechs von Shelley bis King

Um 15:58 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Jani Fanta6Sechs der aus heutiger Sicht bedeutendsten Autoren der fantastischen Literatur werden in diesem Jugendbuch vorgestellt. Leben und Werk von Stephen King, Philip K. Dick, Stanislaw Lem, J.R.R. Tolkien, Bram Stoker und Mary Shelley werden auf jeweils 40 bis 50 Seiten dargestellt. Überschrieben sind die Lebensgeschichten mit den Titeln der berühmtesten Werke: Frankenstein, Dracula, Herr der Ringe, Solaris, Blade Runner und Es.
Mary Shelleys „Frankenstein“ und Bram Stokers „Dracula“ gehören zu den „Urvätern“ der modernen Horrorliteratur. John R. R. Tolkien hat mit seinem Roman „Herr der Ringe“ das Genre der Fantasy-Literatur mitbegründet. Diese drei Werke sind auch heute noch jedem bekannt. Philip K. Dick und Stanislaw Lem hingegen haben die SF-Literatur aus der „Schmuddelecke“ der Trivialliteratur geholt und mit ihren Werken gezeigt, zu welchen literarischen Höhenflügen dieses Genre fähig ist, auch wenn die von ihnen geschaffenen Figuren längst nicht die Bekanntheit eines Draculas erreicht haben. Alle sechs Biografien sind spannend zu lesen, und allein Mary Shelleys Leben würde ohne weiteres genügend Stoff für mehr als einen Roman liefern. Der Sammelband verschafft dem interessierten Leser zudem einen ersten Einblick in das Universum der fantastischen Literatur.
Charlotte Kerner hat das Buch herausgegeben und den Beitrag zu Philip K. Dick verfasst. Die anderen Biografien wurden von Anja Stürzer, Jürgen Seidel, Frank Weinreich, Bernd Flessner und Marcel Feige geschrieben. Entstanden ist eine Sammlung spannender Autorenbiografien für Jugendliche ab 14, aber auch für erwachsene Liebhaber der fantastischen Literatur.

„Die fantastischen 6“, hrsg. von Ch. Kerner, Beltz & Gelberg 2010, 304 Seiten, 18 Euro

Von Andreas Jani, Kinder- und Jugendbibliothekar der Stadtbibliothek Böblingen


16.02.2011

Lesertipp: Mädchen in fremder Welt

Um 15:55 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Scheppach WüsteAuch mir war der Name des Autors J.M.G. Le Clézio unbekannt, als er 2008 den Literatur-Nobelpreis erhielt. Aber – neugierig geworden – begann ich zu lesen und das mit wachsender Begeisterung. Sein Roman „Wüste“ prägte sich mir so ein, dass ich noch zwei Jahre nach der Lektüre das junge Mädchen in der marokkanischen Wüstenlandschaft vor Augen habe wie in einem Film. Eine bildreiche Sprache, die zu lesen eine Freude auch dann wäre, wenn sicher weiter gar nichts ereignen würde als dieses Dasein in einer uns so fremden Welt.
Doch es ereignet sich viel, denn dieses Wüsten-Mädchen gelangt nach Marseille und ins Großstadtelend. Eine zeitgenössische Problematik also, aber geschildert mit einer archaischen Kraft, die einem die sogenannte „dritte“ Welt als die eigentlich erste beschreibt. Das Buch beginnt mit einer Begebenheit aus der Zeit um 1910, ehe es sich Lalla, der Hauptfigur, zuwendet. Damit wird der Leser eingestimmt und sensibilisiert für Menschen, die tief mit der Landschaft verbunden sind und ihr nicht wirklich entfliehen können.

J.M.G. Le Clézio: Wüste, KiWi 2008

Von Ines Scheppach, Böblingen


16.02.2011

Eigenwilliger Dorfpolizist lässt sich nicht reinreden

Um 15:53 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Literaturtipps

Mücke DoppelEs gibt Kommissare, die beinahe jeder kennt, ob Krimileser oder nicht. Seien es die älteren wie Maigret, Poirot oder die zeitgenössischen wie Beck, Wallander oder Brunetti.
Wir aber wollen uns auf die Fährte von zwei weniger bekannten Kommissaren begeben: heute auf die von Bruno, dem französischen Dorfpolizisten.
Dorfpolizist? Ja, der Funktion nach schon, in Wirklichkeit aber hat Bruno es nicht nur mit den einfachen Delikten einer gewöhnlichen Kleinstadt zu tun, sondern auch mit Verbrechen, deren Wurzeln in die französische Geschichte zurückreichen. Mit solchen, die mit Klimaveränderungen, mit Globalisierungsfragen und Landflucht zu tun haben
Beschreiben wir Bruno näher: Benoit Courreges, genannt Bruno, ist der einzige Polizist von Saint-Denis, einer jener typischen französischen Kleinstädte. Bruno ist Angestellter seiner Gemeinde und damit in einer Art natürlicher Gegnerschaft zu den Vertretern der staatlichen Polizei, die nur zu gerne von außen die jeweiligen Ermittlungen an sich reißen möchten. Bruno aber ist ganz und gar nicht naiv, er durchschaut die Dinge schnell und bewahrt seinen Vorsprung, den er durch die profunde Kenntnis der Strukturen im Ort, um Herkunft und Ziele seiner Bewohner hat. Er liebt seine Gemeinde und möchte Schaden von ihr fernhalten. Dank seiner Ruhe und Gelassenheit und dank seiner Teilhabe am öffentlichen Leben – Sport, Jagd, Weinfeste – gelingt ihm das auch. Er selbst liebt gutes Essen, guten Wein, auch die Frauen und verkörpert so den für uns typischen Franzosen.
Wer atemberaubende Spannung sucht, wird sicher nicht Fan der hoffentlich anwachsenden Reihe werden. Wer aber mit Geist und auf gutem sprachlichen und psychologischen Niveau unterhalten werden möchte, der ist bei Martin Walkers Krimis gut aufgehoben. Walker ist übrigens kein Franzose, sondern ein britischer Journalist. Wer ihm eine große Liebe zu Frankreich und seinen Menschen unterstellt, liegt bestimmt nicht falsch.

Martin Walker: Bruno, Chef de police; Diogenes 2009  /  Martin Walker: Grand Cru, Diogenes 2010

Von Rita Mücke, ehemalige Leiterin der Stadtbibliothek Böblingen


Vor »