Mann stelle sich ein paar Männer im Alter um die 60 Jahre vor, die ganz locker in Shirts und Jeans auf eine Bühne kommen und mit augenscheinlich enormem Spaß und unglaublicher Power vor rund 7000 begeisterten Fans ein Hardrock-Feuerwerk zünden, dass manchem Nachwuchs-Metaller vor Neid das Bier aus der Hand fällt … Nicht möglich? Doch, in Form von: DEEP PURPLE!

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Diese Woche machten die Rock-Veteranen aus England in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle Halt und zeigten, dass die Qualität von härterer Musik nicht mit dem Alter der Musiker nachlassen muss. Mit scheinbar müheloser Leichtigkeit woben ROGER GLOVER am Bass, STEVE MORSE an der Gitarre, IAN PAICE am Schlagzeug und Keyboard-Magier DON AIREY Klangteppiche von unglaublicher Komplexität und Kraft, wie sie eben nur DEEP PURPLE erschaffen kann.

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Unverwechselbar dabei natürlich die psychedelischen Elemente des Keyboards und der Hammondorgel, die auch in Stuttgart den melodischen Rahmen gaben, für die harten Gitarrenriffs, die durchdringenden Bass-Lines und das treibende Schlagzeug – und natürlich kam jedes Instrument während der rund zweistündigen Show, die quasi keine Pause hatte, auch in mehreren grandiosen Soli zu Ehren.

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Zur Playlist zählte ein Querschnitt aus bekannten und weniger bekannten Songs aus der langen Karriere der Band, die sie mit soviel offensichtlichem Spaß präsentierten, als wären sie zufällig zu einer Jamsession zusammengekommen … logisch, denn beweisen müssen die „alten Herren“ schon längst nichts mehr. Entsprechend konnten sie sich aus dem Fundus ihrer Lieder auch raussuchen, wozu sie Lust hatten – alleine ohne „Smoke on the Water“ hätte man sie wohl nicht von der Bühne gelassen … aber den vielleicht etwas überstrapazierten Evergreen ließ DEEP PURPLE dann auch überwiegend durch die Fans singen und man beschränkte sich darauf, ebenfalls mit viel Freude, die Menge zu dirigieren.

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Wenn man die Band – die es, wenngleich mit einigen Besetzungsänderungen und temporärer Auflösung, bereits seit 1968 gibt – als einer erlebt, der noch in die Windeln machte, als DEEP PURPLE bereits große Erfolge feierte … also so einer wie ich … dann fragt man sich, wie unglaublich viel Energie muss eine Band, die live heute noch so dermaßen viel Power hat, erst bei ihren Auftritten in jüngeren Jahren gehabt haben?! … Und neigt das Haupt sogleich ehrfurchtsvoll.

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Selbst IAN GILLAN, der, abgesehen von kleineren Pausen, immer die Stimme von DEEP PURPLE war, und auch schon 65 Lenze auf den Stimmbändern hat, vollbringt noch immer Großes! Er erklimmt sicher nicht mehr alle Höhen der Metal-Voice, aber sein Gesang ist nach wie vor kraftvoll und unverkennbar!

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Beeindruckt vom Konzert, das ganz sicher ein Highlight im Musik-Jahr 2010 war, kann ich nur allen Hardrock-Fans den Tipp geben, jede Chance zu nutzen, die sich bietet, um DEEP PURPLE live zu sehen und zu hören. Prädikat: Ganz Großartig!
Fast leidtun konnten einem übrigens die Herren von MARILLION, die vor DEEP PURPLE antraten und leider Langeweile auf hohem musikalischem Niveau produzierten. Theatralisch und etwas selbstverliebt gab sich STEVE HOGARTH am Mikrofon zwar alle Mühe den Funken überschlagen zu lassen, aber weder „Kayleigh“, noch die mehrfachen Aufforderungen zum rhythmischen Händeklatschen, erzeugten beim Publikum wirklich Bewegung.

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Dabei war das, was die Band tat wirklich gut. Aber der psychedelische Intellektuellen-Pop mit Rock-Einfluss von MARILLION, egal wie schön, ist einfach fehlplatziert, wenn kraftvoller Rock erwartet wird … vielleicht war die Band also als Vorprogramm von DEEP PURPLE nicht ganz optimal platziert.
Rock on!
svo