27.10.2010

Hindernis vor dem Häckselplatz

Um 12:04 Uhr von Langner in Warum?

Von Dirk Hamann

warum HäckselplatzGut gelaunt ist Albrecht Josenhans Ende August mit seinem Schnittgut zum gerade frisch wiedereröffneten Häckselplatz gefahren. Vorbei die Zeit der weiten Entsorgungswege, seinen Baumschnitt darf der Böblinger nun wieder regelmäßig am Rande seiner Stadt deponieren. Doch auf dem Weg zur neuen Grünzeugbeseitigungsstelle kam er in Schwierigkeiten. Besser gesagt, er stieß auf einen Wegweiser mit der Aufschrift “Häckselplatz” – direkt unter einem Schild angebracht, dass ihm anzeigte, dass ihm die Weiterfahrt dorthin nicht gestattet ist. “Darf man hier nur zu Fuß anliefern?”, fragte sich Albrecht Josenhans. “Oder wird dies nun eine neue Geldbeschaffungsmaßnahme der Stadt?”

Der Frage, warum diese seltsame Schilderkombination den Wegesrand auf der Zufahrt zum Häckselplatz ziert, sind wir prompt auf den Grund gegangen. Und dabei auf einige erhellende Erklärungen gestoßen: Erstens haben wir erfahren, dass der Häckselplatz-Wegweiser vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises befestigt wurde. Und dass das Fahrverbotschild dort vor Jahren von den Amerikanischen Streitkräften angebracht worden ist.

Dass beide Hinweise nicht zusammenpassen, ist den dafür Verantwortlichen im Landratsamt und in der Panzerkaserne, nachdem sie darauf hingewiesen wurden, sofort klar geworden – für die endgültige Lösung dieser doch sehr komplexen Sachlage haben sie allerdings etwas mehr Zeit in Anspruch genommen. Zunächst einmal hat der Abfallwirtschaftsbetrieb mit einem Provisorium dafür gesorgt, dass Schnittgut-Entsorger nicht mehr in die Zwickmühle geraten. Mit einem “Zufahrt bis Häckselplatz frei” waren sie von allen Schwulitäten, in die sie hätten geraten können, befreit.

Weil ein Provisorium eben nur ein Provisorium ist, bleibt es nicht dabei. So haben sich mehrere Mitarbeiter beider zuständiger Parteien für einen Vor-Ort-Termin verabredet und sind dort, knapp eineinhalb Monate nach Bekanntwerden des Problems, ganz schnell zu einer pragmatischen Lösung gekommen: Der Abfallwirtschaftsbetrieb wird in den kommenden Tagen das Schild, das motorisierten Fahrzeugen die Weiterfahrt untersagt, um 300 Meter nach hinten, hinter die Deponieeinfahrt, versetzten. Und damit alles seine Ordnung hat, werden Besucher des Häckselplatzes künftig mit einem Schild in blau mit weißem Pfeil nach links dazu aufgefordert, auf gleichem Weg zurückzufahren, auf dem sie gekommen sind. Obendrein erhält das Musberger Sträßle an dieser Stelle schnuckelige Halteverbotsschilder.

Damit ist klar: Die Durchfahrt bis zum Häckselplatz ist erlaubt, parken verboten.

Die KREISZEITUNG sucht nach Merkwürdigkeiten die unser alltägliches Leben begleiten. Wenn Ihnen solche auffallen, teilen Sie uns diese unter redbb[*]bb-live.de mit. Wir recherchieren, so die Begebenheit für eine breite Leserschicht interessant sein könnte, gerne, warum manches so ist, wie es ist.


13.10.2010

Ein heftiger Streik als Willkommensgruß

Um 17:32 Uhr von KRZ-Redaktion in Allgemein, Claudias Südafrika-Blog

DC987104-CE17-4119-B262-A444A365678CClaudia Bergmann aus Altdorf beim sozialen Jahr in Südafrika: Alles begann ganz anders als gedacht

Mein Traum ist in Erfüllung gegangen. Ich darf ein Jahr lang hier leben und für die Harding Special School arbeiten. Hier in Südafrika erleichterten unsere Vorgänger uns elf Südafrika-Neufreiwilligen auf einem fünftägigen Seminar den Einstieg ins unbe- kannte Leben, bevor wir in unsere Einsatz- orte zogen. Doch den Einstieg in die Arbeit hatte sich keiner so vorgestellt, wie er kam.

Der öffentliche Dienst in Südafrika streikte. Und somit auch die Lehrer. Aus meinen deutschen Erfahrungen stelle ich mir einen Streik so vor, dass die Arbeitskräfte für einige Tage mit ein paar Fähnchen und einem Megaphon auf die Straße gehen und solange ihre Arbeit niederlegen. Die Arbeit legten die betroffenen Arbeitskräfte hier in Südafrika auch nieder. Allerdings nicht nur für einige Tage, sondern für einige Wochen. Und sie gingen auch nicht mit Fähnchen auf die Straße, sondern mit Stöcken in die Schulen. Die Arbeit niederzulegen, konnte nicht schnell genug gehen: Ärzte sollen mitten in einer OP die Arbeit niedergelegt haben, und einige Menschen hat der Streik das Leben gekostet.

Die Harding Special School stand also leer. Der Direktor hatte die Kinder wegen der gefährlichen Situation nach Hause geschickt. Die Lehrer blieben ebenfalls zuhause. Nicht etwa, weil sie streiken wollten. Die meisten waren mit ihrem Gehalt einigermaßen zufrieden, oder wollten zumindest nicht, um mehr Gehalt zu bekommen, einige Zeit auf ihr Gehalt verzichten. Das wird nämlich ausgesetzt für die Dauer des Streiks. Doch streiken mussten auch sie – die Gewerkschaften drohten mit Gewalt.

Der Streik wurde angeführt von der größten Gewerkschaft der Lehrer: SADTU (South African Democratic Teachers Union). Sie fordert 8,6 Prozent mehr Gehalt und 1000 Rand „Hausgeld“ pro Monat (was zirka 100 Euro entspricht). Geld, das zum Beispiel für die Miete verwendet werden kann.

SADTU ist allerdings auch Teil von „Cosatu“, einem großen Zusammenschluss vieler Gewerkschaften. Cosatu ist genau wie die Partei „SACP“ (South African Communist Party) mit der momentan in Südafrika regierenden Partei ANC befreundet. ANC beschließt vieles zusammen mit Cosatu und SACP. Nun hört man viele Stimmen in Südafrika, die sagen, ein weiterer Grund für den Streik sei der, dass Cosatu gerne wieder mehr Macht und Mitspracherecht hätte.

Der Zeitpunkt des Streiks wurde nicht unüberlegt gewählt. Die Weltmeisterschaft, in die die Regierung so unglaublich viel Geld gesteckt hat, ist vorbei. Ein Grund für Arbeitskräfte, wütend zu werden. Weshalb hat die Regierung Geld für all die teilweise überflüssigen Ausgaben bezüglich der WM, aber keines, um das Gehalt zu erhöhen? Zudem stehen die Schüler kurz vor ihren Examen. Ein sehr ungünstiger Zeitpunkt für ausfallenden Unterricht und somit ein starkes Druckmittel gegenüber der Regierung.

Doch die Regierung blieb eisern. Sie bot einen Zuschuss von 7,5 Prozent plus 800 Rand „Hausgeld“. Und dabei blieb sie auch – ungerührt von der Gewalt, den Toten und dem immer länger werdenden Unterrichtsausfall. Und sie hatte Erfolg: Die Gewerkschaften unterbrachen den Streik.

Die Gründe waren verschiedene. Zum einen fanden die Gewerkschaften immer weniger Zuspruch unter den eigenen Anhängern. Zum anderen erklärte die Regierung, dass ein Mehr an Geld für den öffentlichen Dienst ein Weniger an anderen Stellen bedeuten würde: Sie könnten Arbeitsstellen oder beispielsweise das Bildungsgeld kürzen. Und beides liegt nicht im Interesse der Gewerkschaften.

Die Schule ist jetzt jedenfalls endlich wieder voller Kinder und Lehrer. Die Situation im Land hat sich beruhigt, es besteht momentan keine Gefahr.

Ich habe große Freude daran, zu arbeiten. Vormittags helfe ich einzelnen Kindern im Unterricht. Nachmittags versuche ich zusammen mit meinem Mitfreiwilligen Simon, möglichst viele der 130 Kinder zu beschäftigen und mit ihnen Spaß zu haben. Ich bin unendlich froh darüber, dass ich hier bin. Und trotz der anfänglich unerwarteten Situation ist es hier schöner, als ich mir es je erträumt habe.


09.10.2010

Undercover-Schaffer in Darmsheim

Um 12:02 Uhr von Langner in Warum?

Von Eddie Langner

Warum ArtikelDer Darmsheimer ist leidensfähig und geduldig. Das weiß jeder, der tagtäglich aus Richtung Grafenau zur Arbeit durch den Ort pendelt und beobachtet, wie beispielsweise Anwohner auf der Döffinger Straße vor Frust ins Lenkrad beißen, weil die blechernen Egoisten-Kolonne sie nicht aus der heimischen Einfahrt herauslässt.

Aber seit dem Spatenstich für die Nordumfahrung am 4. Juni im Löchle haben die Darmsheimer etwas, worauf sie sich freuen können: ein Löchle, das bald zu einem großen Loch, respektive einem Tunnel wird. Durch diesen soll, wie Regierungspräsident Johannes Schmalzl jetzt verlauten ließ, ab 2014 der Verkehr fließen. Bis dahin ist aber noch viel Zeit. Denselben Gedanken schienen während der Sommerferien auch die Firmen auf der Baustelle am Löchle gehabt zu haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich dort für einige Wochen nichts zu tun schien?

Wir fragen schriftlich beim Bauamt der Stadt Sindelfingen nach. Und sind verblüfft: Wenige Tage später wuseln wieder Baggern, Laster und behelmte Menschen auf der Baustelle. War das die Allmacht der KREISZEITUNG? Eher nicht. Eine Vorabinfo aus dem Sindelfinger Rathaus ergibt, dass eins der beteiligten Unternehmen seine Betriebsferien beendet und die Arbeiten wieder aufgenommen habe.

Aha, aber hatten die tatsächlich sechs Wochen Betriebsferien? Diese Frage haben sich offenbar nicht nur Pendler und Anwohner gestellt. Auch die Sindelfinger Verwaltung wollte wissen, warum die Baustelle dem Anschein nach ohne erkennbaren Fortschritt wochenlang brach lag, und schickte eine entsprechende Anfrage ans zuständige Regierungspräsidium in Stuttgart. Von dort erhielt die Stadt die Antwort, dass – bis auf wenige Tage – sehr wohl gearbeitet worden sei. Man habe es nur nicht sehen können, weil an einer uneinsichtigen Stelle geschafft worden sei.

Ein paar Tage später meldet sich das Rathaus erneut: Es liege eine Mitteilung des Regierungspräsidiums vor. Die könne man aber nicht an die Zeitung weiterleiten. Warum? Darum. Aha. Also rufen wir direkt beim Regierungspräsidium an, wo Pressesprecher David Bösinger zunächst nichts von einer solchen Mitteilung weiß, nach einer kurzen Recherche aber fündig wird und damit auch bestätigt, dass es eine entsprechende Anfrage aus dem Sindelfinger Rathaus gab. Auch er will die Mitteilung nicht weiterleiten. Warum? “Diese Bausachen sind so kompliziert”, meint Bösinger sinngemäß. “Das sind zu viele technische Details”, meint der Mann, der ansonsten zu weit weniger komplexen Bauprojekten wie etwa “Stuttgart 21″ Stellung nimmt.

Also liest er den Inhalt der Mitteilung am Telefon vor – was die Sache natürlich deutlich einfacher macht. Folgende Wortfetzen sind bei uns hängen geblieben: “Es wurde auch während der Sommerferien am Spatenstichobjekt gearbeitet . . . Betonbauwerk . . . in Rahmenbauweise ausgeführt . . . untere Seite ist bei dieser Bauweise offen . . . anders als bei normaler Brücke, wo man erst eine Seite, dann die andere, dann die Mitte baut . . .” – wie David Bösinger schon sagte: “Viele technische Details.”

Und wie erklärt er den Umstand, dass auf der Baustelle kein Mensch zu sehen war? Dafür nennt er drei Gründe: Zum einen brauche der Beton bei einer solchen Rahmenbauweise laut “Bewehrungsplan” (wieder so ein technisches Detail) eine längere Ausreifzeit, und müsse daher ein paar Tage ruhen. Zum anderen hätten die Arbeiter wegen der vielen Regenfälle im August oft erst nachmittags anfangen können. Dies erkläre auch, warum lange Zeit nicht einmal Baustellenfahrzeuge zu sehen waren (wir dachten schon, die Arbeiter wären mit dem Fallschirm abgesprungen). Und schließlich habe eine der beteiligten Baufirmen tatsächlich in den letzten beiden Augustwochen Betriebsferien gehabt. Allerdings hätten dafür andere gearbeitet. Kurz: Alles paletti am Löchle und im Zeitplan sei man auch.

Klingt doch alles prima. Wenn das so weiterginge, wäre das ein Segen für die Darmsheimer: Endlich einmal eine Baustelle, von der niemand was mitbekommt. Wir fürchten jedoch, dass es spätestens kommenden Sommer vorbei ist mit der Ruhe. Dann wollen Darmsheims Undercover-Schaffer mit dem Tunnelbau beginnen.

Die KRZ sucht nach kleinen Merkwürdigkeiten die unser alltägliches Leben begleiten. Wenn Ihnen solche auffallen, teilen Sie uns diese unter redbb[*]bb-live.de mit – wir recherchieren, so die Begebenheit für eine breite Leserschicht interessant sein könnte, gerne, warum manches so ist, wie es ist.