31.08.2010

Runter vom Gas bei Nacht und Regen

Um 11:55 Uhr von Langner in Warum?

Von Dirk Hamann

Warum Runter vom GasImmer nachts, wenn es dunkel ist und Rolf Nothacker mit dem Auto Böblingen am Hotel Rieth in Richtung Holzgerlingen verlässt, ärgert er sich. Einige Meter Straße muss er dort ohne Mittelstreifen auskommen. Deshalb ist er jedes Mal froh, wenn ihm dort nichts passiert. Und jedes Mal fragt er sich: “Warum bringt es die Stadt nicht fertig, die Straßenmarkierung im Bereich Stadtausfahrt nach Holzgerlingen mit einer vernünftigen Straßenmarkierung zu versehen? Vor allem nachts und bei Regen irritiert das gewaltig. Man hat links und rechts Fahrradwegmarkierungen aber keinen Mittelstreifen.”

Ein Umstand, den wir bei der Stadtverwaltung hinterfragt haben. Und eine Frage, die bei den zuständigen Damen und Herren im Rathaus eher Zufriedenheit denn Unbehagen ausgelöst hat. “Die Stadtverwaltung verzichtet seit einigen Jahren innerorts auf die Mittelleitlinien”, wurden wir hoch offiziell aufgeklärt. “Hintergrund ist eine Empfehlung in den Richtlinien für die Anlage von Straßen. Bei Verkehrsbelastungen unter 1200 Fahrzeugen pro Stunde hat sich ein Verzicht der Mittelleitlinie positiv bewährt, da auf Grund der fehlenden Leitlinie mit geringerer Geschwindigkeit gefahren wird.”

Mit der Inbetriebnahme der B464neu habe sich die Verkehrsbelastung im Bereich des Hotel Rieth um mehr als die Hälfte verringert. Deshalb sei dort bewusst auf die Mittelleitlinie verzichtet worden, um die Bedeutung als Innerortsstraße hervorzuheben. Mit dem Bau des Radwegs an der Tübinger Straße sei diese Haltung weiter verstärkt worden. “Es gilt, die ehemalige Verkehrsbedeutung der Straße als Bundesstraße objektiv und subjektiv herab zu setzen”, erfahren wir. Für vom fehlenden Mittelstreifen geplagte Autofahrer wie Rolf Nothacker bleibt somit nur eine Alternative: langsam fahren. Erst recht bei Nacht und bei Regen.

Die KREISZEITUNG sucht nach Merkwürdigkeiten die unser alltägliches Leben begleiten. Wenn Ihnen solche auffallen, teilen Sie uns diese unter redbb[*]bb-live.de mit. Wir recherchieren, so die Begebenheit für eine breite Leserschicht interessant sein könnte, gerne, warum manches so ist, wie es ist.


10.08.2010

Friedrich-List-Straße bietet Besonderes

Um 11:53 Uhr von Langner in Warum?

Von Dirk Hamann

Warum Friedrich-List-StraßeDie Friedrich-List-Straße sorgt im Böblinger Leben seit Jahren immer wieder für Schlagzeilen. So haben zum Beispiel Anwohner eine Bürgerinitiative gegründet, um sich gegen den Lärm des aus ihrer Sicht viel zu massiven Durchgangsverkehrs zur Wehr zu setzen. Sicherlich eine Besonderheit dieser Straße.

Auf eine andere hat uns ein netter Anrufer hingewiesen. “Warum nehmen die Hausnummern in der Friedrich-List-Straße von der Stuttgarter Straße kommend – also in Richtung Ortsmitte – zu?”, hat er uns gefragt. Ein Mann, der als Sanitäter arbeitet und ganz genau weiß: “Normalerweise beginnt die Hausnummerierung auf der Seite, die näher an der Ortsmitte liegt, die höchsten Hausnummern liegen folglich an der von der Ortsmitte entferntesten Stelle der Straße.”

Ein interessanter Fall, dem wir gerne auf die Schliche gekommen sind. Beim Böblinger Rathaus nachgefragt, haben wir auch prompt sehr schlüssige Antworten auf dieses Rätsel bekommen. Unter anderem einen alten Stadtplan, aus dem hervorgeht, dass die Friedrich-List-Straße einstmals den hübschen Namen Blumenstraße trug. Im Wortlaut: “Aus der Zeit um 1930 liegt ein Plan vor, in dem die damals neuen Quartiere eingezeichnet wurden. Aus dem Plan geht hervor, dass die damalige Blumenstraße von der Kurzen Straße bis zur Stuttgarter Straße führen sollte. Nach Lage der Straße war es aus damaliger Sicht gleich, wo Anfang und Ende ist. Als an der Ecke Stuttgarter Straße/
Friedrich-List-Straße begonnen wurde zu bauen, hat man dann einfach dort mit der Hausnummerierung angefangen.”

Ergo führen liegen die höchsten Hausnummern der Friedrich-List Straße näher an der Ortsmitte als die niedrigen. Ein außergewöhnlicher Umstand, der ihr wieder einmal eine kleine Schlagzeile bringt – und das sogar ganz ohne lästigen, lärmreichen und viel diskutierten Durchgangsverkehr.

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06.08.2010

Straßenmangel bei “Sommer am See”

Um 11:51 Uhr von Langner in Warum?

Von Dirk Hamann

Der Böblinger “Sommer am See” ist eine tolle Idee. Zum 14. Mal finden dabei in diesem Jahr seit Juli bis September eine Fülle von tollen Veranstaltungen statt – ein echtes Aushängeschild städtischer Lebensqualität.

Beworben werden die Veranstaltungen unter anderem in einem hübsch aufbereiteten und sehr übersichtlichen Heftchen. Doch auch diese feine Broschüre ist nicht frei von Mängeln. Ein Leser wies uns darauf hin, dass in dieser zwar ein hilfreicher Stadtplan zu finden ist, auf dem alle Veranstaltungsorte zu finden sind, auf diesem jedoch die Klaffensteinstraße schlicht verschwunden ist. Wir blätterten nach – und siehe da: Auf dem Plan, den wir finden, heißt die Straße, die von der Poststraße abzweigt, Brunnenstraße. Und das ist jene Straße, in die eigentlich die Klaffensteinstraße nach ein paar Hundert Metern stadtauswärts mündet. Warum die Klaffensteinstraße ausgespart wurde, hat uns schließlich die Stadtverwaltung erklärt.

“Grafiker abstrahieren gerne in der bildlichen Umsetzung eines Sachverhaltes”, bekamen wir als Begründung zu lesen. “So hat auch der mit der Erstellung des Standortplanes beauftragte den Weg einer großzügigen schematischen Darstellung gewählt.” Das war es dann aber auch an Rechtfertigung. Denn die Einsicht, dass die Klaffensteinstraße nicht einfach so hätte unter den Tisch fallen dürfen überwiegt. “Während die Ortskundigen da vielleicht noch darüber schmunzeln können, kann das bei Gästen des “Sommer am See”, die eigens nach Böblingen kommen, Verwirrung stiften”, vernehmen wir und registrieren zudem zufrieden: “Deshalb wird dies beim Nachdruck des Prospektes geändert. In der Darstellung im Internet ist das schon geschehen.”

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04.08.2010

Francisco Martín Molina – der van Gogh von Málaga

Um 14:15 Uhr von KRZ-Redaktion in Blog-Unterricht: der Schul-Blog

GGSStudienfahrt Andalusien. Sechs Tage sind die Schüler des Goldberg Gymnasiums Sindelfingen in Málaga und anderen Städten unterwegs. Auf dem Programm steht unter anderem aber auch ein Besuch bei dem Künstler Francisco Martín Molina. Drei Schüler und die Lehrerin des Spanisch-Kurses besuchen diesen vertretend für die ganze Gruppe in seinem Atelier in Torre de Mar/Málaga.

Von Jessica Merle, Daniela Brüggemann und Roberto Gómez

Wir betreten das angenehm kühle Atelier des Künstlers und er begrüßt uns mit einem charmanten Lächeln. Er führt uns munter schwatzend durch sein kleines Reich der Kunst. Seit 1989 ist Señor Molina als Künstler, Bildhauer und Tierpräparator tätig, wobei letztere zu seinen Favoriten gehören. Inzwischen hat er sich eher den Skulpturen zugewandt; seine Aufträge erhält er von Rathäusern für Straßen oder verschiedene Museen.

Sein Atelier ist voller vielfältiger Werke. Ein Highlight ist eine Picassoskulptur, die er innerhalb von zwei Stunden aus Ton angefertigt hat. Zudem entdecken wir die Nachbildung eines Dackels; wir erfahren, dass dies ein Abbild seines eigenen Hundes ist. Er erzählt uns die Geschichte vom „perro paralítico“, dem querschnittsgelähmten Dackel. Er hat für das Tier eine Hilfsprothese hergestellt, die es ihm möglich macht zu laufen und gleichzeitig als Spielzeug diente.

Er zeigt uns noch einen anderen Hund, zu dem es natürlich auch eine besondere Geschichte gibt, den „perro meando“ (dt. pinkelnder Hund). Mit ihm ist er durch alle Provinzen Spaniens und zu berühmten Monumenten in Europa gereist, um ihn dort zu fotografieren. Diese Fotos präsentiert er uns voller Stolz. Rund zwei Stunden führt er uns durch sein Atelier und seine Präparierwerkstatt. Von den Wänden starren uns sowohl Wildschwein- Stier- und Hirschköpfe, als auch Fische mit ihren Glasaugen an. Zu seinen Besitztümern gehört auch ein kleines Warzenschwein, eines von vielen Geschenken aus Afrika. Allerdings müssen diese in der Werkstatt bleiben, da seine Frau keine afrikanische Kunst mag – und er mag seine Frau natürlich lieber als die afrikanische Kunst.

In einem anschließenden Interview haben wir die Gelegenheit mehr über seine Kunst und seine Inspiration zu erfahren.

Gibt es Merkmale oder Symbole in Ihren Bildern?“, fragen wir ihn. Seine Art des Malens sei immer dieselbe; die Themen seien sehr persönlich – sie spiegeln seine Erfahrungen, sein Leben, seine Sorgen, sowie seine Begeisterung für etwas oder jemanden wieder, z.B. die Flamencotänzerin Lola Flores, die er sehr bewundert. Er hat auch viele Bilder von seiner Tochter in den verschiedenen Abschnitten ihres Lebens, beispielsweise als kleines Mädchen oder später als Jugendliche, gemalt. Eines jedoch hat er nie gemalt: Landschaften. Er hält dies für langweilig und gewöhnlich.

Er sieht seine Malerei als Zufallsmalerei. Er sucht seine Themen nicht im Voraus, sondern nimmt vielmehr eine Leinwand, lässt darauf einige Flecken entstehen und findet so heraus, was er malen möchte. Zu seinen verwendeten Materialien gehören nicht nur Öl- und Acrylfarben, sondern auch Polyester und Sand. Eine Ungewöhnlichkeit ist die Verwendung von Tierblut. Wir wollen wissen, was er mit seinen Bildern ausdrücken will. Seine Antwort fällt kurz aus: „Nada“ Darauf sind wir nicht gefasst. Er sieht unsere Verwunderung und erklärt uns, dass seine Arbeit den Betrachtern einfach nur gefallen soll und er nichts Lehrreiches erschaffen möchte. Anfänglich sei die Kunst für ihn leichter gewesen, später sah er sie eher als Kampf an, da die Menschen immer anspruchsvoller werden. Er sagt, er habe das Pech Künstler zu sein und wisse, dass viele „verrückt“ enden. Eine Anspielung auf den Surrealisten Salvador Dalí, von dem er sehr angetan war.

Dies leitet uns in unsere nächste Frage über: „Haben Sie ein Idol?“ Einerseits möge er die Überraschungen in den Werken von Dalí, andererseits habe er auch viel für Edvard Munch und Picasso, der gute und schlechte Bilder gemacht hat, übrig. Seine Lieblingskünstler seien aber van Gogh und andere Impressionisten.Auf die Frage, ob er sich mit einem vorangegangenen Künstler vergleichen könne, antwortete er trocken: „van Gogher hat bis zu seinem Tod auch nichts verkauft.“ (Das stimmt natürlich nicht: die bekannte Statue des Alfons XII. am Balcon de Europa in Nerja stammt von ihm.

Zum Abschluss dieses interessanten Interviews überreichen wir ihm ein kleines Präsent aus Deutschland: ein Buch über die Region Baden-Württemberg. Er bedankt sich und verabschiedet uns.


04.08.2010

Schilder-Mix: eindeutig zweideutig

Um 11:50 Uhr von Langner in Warum?

Von Dirk Hamann

Warum Schilder-MixEin Schild im Murkenbachweg hat es offenbar in sich. Genauer gesagt sind es sogar zwei Schilder, die erhöhte Aufmerksamkeit auf sich lenken. An einer Stange ganz oben befestigt weist eine runde Plakette darauf hin, dass Verkehrsteilnehmer an dieser Stelle höchstens mit 30 Sachen unterwegs sein dürfen. Darunter ist ein kleiner, rechteckiger Hinweis angebracht, der uns signalisiert: “Radfahrer frei”. Eine Hinweis-Kombination, die die Böblinger Vanessa Groß und Reinhold Walter rätseln lässt. Beide haben uns separat voneinander gefragt: “Warum dürfen Radfahrer trotz der Geschwindigkeitsbegrenzung schneller fahren als 30 km/h?”

Dürfen sie nicht, war unsere erste Reaktion beim betrachten der uns zugesandten Fotos. Dürfen sie nicht! Frei heraus wollten wir antworten, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung an dieser Stelle für alle Verkehrsteilnehmer gilt – und Radfahrer einfach nur ganz legal auf dem Gehweg unterwegs sein dürfen. Doch sicher ist sicher. Wir fragen bei der Stadtverwaltung nach, um uns grünes Licht für die Antwort geben zu lassen. Die offizielle Auskunft liest sich zwar etwas steifer, kommt aber zum gleichen Ergebnis: “Das Zusatzzeichen 1022-10 (Radfahrer frei) unter dem Zeichen 274 (Geschwindigkeitsbeschränkung) bezieht sich natürlich auf die Nutzung des Gehwegs”, lassen wir uns belehren. “Es bedeutet, dass der Radfahrer auch den Gehweg benutzen darf. Keineswegs aber, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h für Radfahrer nicht gilt.”

Wir lernen: Böblingen gehört zwar seit kurzem zur “Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Gemeinden” – doch deshalb dürfen Radfahrer in der Stadt noch lange nicht das Gefühl der vollkommenen Freiheit genießen.

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