Von Dirk Hamann
Unser Leser Jürgen Gaupp blickt in diesen Tagen des öfteren durch das Schaufenster seiner Paracelsus-Apotheke auf die Baustelle in der Berliner Straße und reibt sich dabei verwundert die Augen. “Ein Schweißer und ein Zuarbeiter sind seit Tagen weitgehend alleine auf der Baustelle und haben nur kleines Gerät”, berichtet er uns. “Damit müssen sie mühevoll die 16 Meter langen Fernwärme-Rohre in den Aushub heben, zwischen den Baustreben und diversen Leitungen hindurchbugsieren. Warum können nicht drei Leute dem Schweißer zuarbeiten?”, fragt Gaupp, “dann wäre diese Arbeit in höchstens einem Drittel der Zeit erledigt.” Süffisant merkt er dazu an, dass der Schweißer samstags nicht in Böblingen arbeiten kann, da er dann in Sindelfingen seinen Job erledigen müsse. “Zudem kommen die Isolierer erst, wenn der Schweißer ganz fertig ist – einen Teil schon zumachen, solange am anderen Ende noch geschweißt wird, das geht nicht.” Zudem fragt sich Gaupp, “warum eine Baustelle in Böblingen eigentlich von den Sindelfinger Stadtwerken betreut werden muss?”
Macht unterm Strich einen ganzen Batzen Fragen, denen wir in unserer Warum?-Rubrik natürlich liebend gerne nachgehen. Und: Es sind Fragen, die von Seiten der Stadtverwaltung auch prompt bearbeitet werden. Mögen sich die Arbeiten an einer Baustelle noch so ziehen – die Erklärungen dazu kommen prompt und umfassend.
Laut Stadtverwaltung läuft die Baustelle in der Berliner Straße erfreulicherweise gemäß dem Zeitplan – weil die Fernwärme Transportgesellschaft mbH einen sehr genau abgestimmten Ablaufplan für die am Bau Beschäftigten erstellt hat. “Der Tiefbau öffnet einen Teilbereich, dann kommen der Rohrtransport, der Schweißer und der Isolierer und dann wieder der Tiefbau, der die Baugrube schließt”, erfahren wir in einer Mitteilung. “Dieser Ablauf ist eng aufeinander abgestimmt, damit eine Kontinuität entsteht.”
Im gut ausgearbeiteten Ablauf gebe es allerdings tatsächlich Zeiten, in denen nur ein Schweißer oder ein Isolierer auf der Baustelle arbeite. Die offizielle Erklärung dafür: “Als Außenstehender würde man sich wünschen, dass die Baustelle nur so von Arbeitern wimmeln sollte. Aber das chinesische Prinzip funktioniert hier leider nicht, weil alle Monteure kontinuierlich, ohne Wartezeiten, beschäftigt werden müssen.” Man könne nicht sporadisch nach dem Öffnen des Grabens vier Monteure mit dem Rohrtransport, dann vier Schweißer für jeweils zwei Nähte beschäftigen, die dann wieder warten müssen, bis der nächste Graben offen ist. Ergo: “Die Baustelle könnte dann zwar noch schneller abgewickelt werden, aber die hohen Stillstandszeiten der Monteure würden eine Kostenexplosion verursachen.”
Abhilfe könnte nur geschaffen werden, wenn an mehreren Stellen im Stadtgebiet gleichzeitig lange Strecken offen wären. Dann könnte der Bauablauf mit mehr Personal optimiert werden. “Das wäre traumhaft für den Bauherren – aber katastrophal für die Verkehrsteilnehmer”, so die Stadtverwaltung. Und warum die Sindelfinger Stadtwerke Böblinger Baustellen betreuen? “Diese erbringen eine Dienstleistung im Rahmen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure für die FTG mbH.”
Klare Ansagen von offizieller Seite also, die uns belehren: Hätten wir nur mehr Straßenarbeiten in Böblingen, dann wären wir die nervigen Baustellen schneller wieder los.
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