31.07.2010

Bubikopf statt Hängemähne

Um 11:48 Uhr von Langner in Warum?

Von Michael Stürm

Warum BubikopfWenn die Bäume Trauer tragen, heißen sie Trauerweide. Auch in Böblingen am Unteren See lassen uns gegenüber vom “Frechdax” zwei solcher Prachtexemplare Tag für Tag an ihrer inneren Verfassung teilhaben: Bis auf den Asphalt hängen die Äste hinunter. Selten findet sich Würde in der Botanik eindrucksvoller verkörpert, als in diesem Fall.

Vor wenigen Tagen war plötzlich Schluss mit der Anmut in der Demut. Statt mit Zweigen bis ins Bodenlose, überraschten die Bäume plötzlich mit einem streng gezirkelten Pagenschnitt. Bubikopf statt Hängemähne. Dass die beiden imposanten See-Anrainer vom Friseur heimgesucht worden ist, der in diesem Fall in der Stadtgärtnerei sitzt, ist nichts Außergewöhnliches. Barbara Mischke, für die Grünflächen im Böblinger Bauamt zuständig, erzählt von regelmäßigen Rückschnitten. Die Schere sei jetzt angesetzt worden, weil die Bäume wertvolle Schattenspender auf dem Elbenplatz seien. Und da im Sommer viele Veranstaltungen in der Nähe der voluminösen Bäume stattfinden, wurde der Schnitt jetzt angeordnet. “Wir wollen den Platz unter den Bäumen nutzen”, sagt Barbara Mischke.

Und schnipp, schnapp waren die Haare ab.

Die KREISZEITUNG sucht nach Merkwürdigkeiten die unser alltägliches Leben begleiten. Wenn Ihnen solche auffallen, teilen Sie uns diese unter redbb[*]bb-live.de mit. Wir recherchieren, so die Begebenheit für eine breite Leserschicht interessant sein könnte, gerne, warum manches so ist, wie es ist.


29.07.2010

Böblinger Rathaus ist seiner Zeit voraus

Um 11:47 Uhr von Langner in Warum?

Von Dirk Hamann

Als KRZ-Fotograf Thomas Bischof neulich über den Böblinger Marktplatz ging und auf die Rathausuhr blickte, fuhr ihm ein Schreck durch die Glieder. “Mist! So spät ist es schon?”, wunderte er sich. Dann blickte er auf seine Armbanduhr. Erleichtert stellte er fest, dass der Zeitmesser des Rathauses ihm doch glatt einen Streich gespielt hatte: Sie war ihrer Zeit um 50 Minuten voraus. Warum sie schneller tickt, als der Redakteur erlaubt?

Wolfgang Pfeiffer, Pressesprecher der Stadt Böblingen, hat sich schlau gemacht. Erst trat er den Gang ins Freie an und stellte triumphierend fest, dass die Uhrzeit stimmt. Dann machte er sich an die Recherche und fand heraus, dass seine Beobachtung nur bedingt von Gültigkeit ist. “Die Uhr geht regelmäßig vor”, räumte er ein. “Unser Hausmeister stellt sie zurzeit immer wieder neu, doch dann tickt sie etwas schneller als erwünscht. Sieht so aus, als wären wir Böblinger eben unserer Zeit ein wenig voraus.”

Demnächst hat diese Hetze ein Ende. Spätestens, wenn sich der bereits bestellte Uhrmacher ans Werk machen wird, läuft im Rathaus wieder alles im ordentlich geregelten Gang. “Die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam”, heißt es schließlich – da soll ein vorschnelles Zeigerpaar nicht für künstlichen Stress sorgen.

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27.07.2010

Miniermotte setzt Kastanienbäumen zu

Um 11:45 Uhr von Langner in Warum?

Von Matthias Weigert

Warum MiniermotteDÖFFINGEN. Wer auf der Dätzinger Straße in Döffingen unterwegs ist, wundert sich über die etwas jämmerlich aussehenden Kastanien, die da am Wegesrand unterhalb des Kapellenberges stehen, und fragt sich, warum die stattlichen Bäume im Sommer herbstlich aussehen. Ist es die Trockenheit?

Mitnichten! Es ist laut Gemeindegärtner Peter Mutschler die Miniermotte. “Der kleine Falter legt seine Eier auf den Blättern ab. Die Raupen fressen auf der Blattunterseite auch die Blattadern an, und die Blätter werden braun”, erklärt der Angestellte der Gemeinde Grafenau und ergänzt: “Im Boden entwickeln sich die Tierchen dann weiter und fliegen aus. Zwei bis drei Populationen sind so jedes Jahr möglich. Die im Juli herrschende Trockenheit bot der Miniermotte ideale Lebensbedingungen.”

Die Rosskastanien-Miniermotte, auch Balkan-Miniermotte genannt, ist ein Kleinschmetterling aus der Familie der Miniermotten. Sie wurde in Europa erstmals 1984 in Mazedonien in der Nähe des Ohridsees entdeckt, 1994 in Österreich nachgewiesen und breitet sich schnell in Mitteleuropa aus. Es wird vermutet, dass die Art ursprünglich aus Asien stammt. Ihre extrem schnelle Vermehrung ist dadurch zu erklären, dass die Art wenige natürliche Feinde hat.

Peter Mutschler kennt das Problem auch schon seit vielen Jahren. Je nach Witterungsbedingungen sind die Kastanienbäume mehr oder weniger betroffen. “Wenn wir regelmäßig das Laub wegnehmen und entsorgen, wird die Brut dezimiert und die Bäume stehen besser da”. In ihrem natürlichen Verbreitungsraum ist die Minierraupe kein bemerkenswerter Schädling. In Mitteleuropa verursacht sie jedoch die Kastanienkrankheit. Die Miniermotte befällt grundsätzlich die Weißblütige Rosskastanie, die in Mitteleuropa in Park- und Gartenanlagen sowie als Straßenbaum kultiviert wird. Ein Teil der sonstigen Rosskastanien-Arten werden ebenfalls befallen, wobei die Stärke des Befalls und der Grad der Schädigung variiert. Ihre Eier wurden vereinzelt auch auf der Roten Rosskastanie gefunden, die jungen Larven sterben dort jedoch ab.

Bisher hat Peter Mutschler kein Absterben von Kastanienbäumen aufgrund des Befalls beobachtet. Jedoch existierten auch sonst keine Langzeiterkenntnisse. Auf längere Sicht scheint eine Schwächung der Bäume zu befürchten, da sie durch das Absterben der Blätter an der Assimilation gehindert werden. Zusätzliche negative Auswirkungen durch andere Kastanienkrankheiten könnten sich negativ auswirken. In besonderen Fällen, beispielsweise bei starker Vermehrung, kann es zum Wirtswechsel kommen. Die Schädlinge sind schon an Berg- und Spitzahorn beobachtet worden.

Doch nicht nur die Kastanien haben ihren Schädling, auch andere Baumarten bekommen laut Mutschler ungebetenen Besuch: “An Schwippe und Würm hatten wir heuer auch einen starken Befall von Gespinstmotten an den Traubenkirschen.”

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21.07.2010

Car-Sharing in Holzgerlingen

Um 11:44 Uhr von Langner in Warum?

Von Martin Müller

Warum Car-SharingDa feiert der evangelische Kindergarten sein Jahrhundert-Jubiläum und der rasende Reporter fährt vor. Als er vor der Friedhofstraße 14 seinen Redaktions-Göppel in die Parkbucht wuchten will, hält er inne: Eine Art Mixtur aus Hinweisschild und Postkasten suggeriert, dass eben dieser Platz für die Holzgerlinger Car-Sharer reserviert sei.

Car-Sharing in Holzgerlingen? Davon wissen wir ja noch gar nichts, denkt sich der Zeitungsmensch, na klasse, da machen wir gleich mal eine schöne Story draus, um damit das Sommerloch zu stopfen – mit Vereinsporträt, Interview und allem Pipapo: Wie das umweltfreundliche und ökobewusste Car-Sharing denn so angenommen wird, in einer Welt, wo das Auto für die Freiheit steht, ganz spontan von jetzt auf nachher und von A nach B oder sonstwohin zu kutschieren und so lange wegbleiben zu können, wie man eben gerade Lust und Laune hat. . . das sind doch prima Fragen.

Weil wir im Vereinsregister des Holzgerlinger Stadtführers keinen Eintrag finden, rufen wir gleich mal auf dem Holzgerlinger Hauptamt an: “Oje”, sagt der Behördenleiter Werner Lenz, “Car-Sharing in Holzgerlingen – das gibt’s schon ewig nicht mehr.” Zwei, drei Jahre lang habe das funktioniert, aber vor 15 Jahren, schätzt Lenz, sei die Initiative sanft entschlafen. Aus der Holzgerlinger Traum, in dem das geteilte Auto obsiegt über die unbegrenzte Mobilität.

“Das Schild könnten wir eigentlich gleich mal wegmachen”, spricht Lenz gedankenverloren in die Telefonmuschel. Was für den rasenden Reporter Alarmstufe Rot bedeutet: Nichts wie hin in die Friedhofstraße und noch schnell ein Beweisfoto für die Warum-Kolumne machen, bevor der emsige Bauhoftrupp anrückt, das Schild demontiert und damit das Kapitel Car-Sharing in Holzgerlingen endgültig zuschlägt.

Et voilà – hier sind Foto und Text.

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16.07.2010

Gut und günstig Ding will Weile haben

Um 11:42 Uhr von Langner in Warum?

Von Dirk Hamann

Warum Gut und GünstigUnser Leser Jürgen Gaupp blickt in diesen Tagen des öfteren durch das Schaufenster seiner Paracelsus-Apotheke auf die Baustelle in der Berliner Straße und reibt sich dabei verwundert die Augen. “Ein Schweißer und ein Zuarbeiter sind seit Tagen weitgehend alleine auf der Baustelle und haben nur kleines Gerät”, berichtet er uns. “Damit müssen sie mühevoll die 16 Meter langen Fernwärme-Rohre in den Aushub heben, zwischen den Baustreben und diversen Leitungen hindurchbugsieren. Warum können nicht drei Leute dem Schweißer zuarbeiten?”, fragt Gaupp, “dann wäre diese Arbeit in höchstens einem Drittel der Zeit erledigt.” Süffisant merkt er dazu an, dass der Schweißer samstags nicht in Böblingen arbeiten kann, da er dann in Sindelfingen seinen Job erledigen müsse. “Zudem kommen die Isolierer erst, wenn der Schweißer ganz fertig ist – einen Teil schon zumachen, solange am anderen Ende noch geschweißt wird, das geht nicht.” Zudem fragt sich Gaupp, “warum eine Baustelle in Böblingen eigentlich von den Sindelfinger Stadtwerken betreut werden muss?”

Macht unterm Strich einen ganzen Batzen Fragen, denen wir in unserer Warum?-Rubrik natürlich liebend gerne nachgehen. Und: Es sind Fragen, die von Seiten der Stadtverwaltung auch prompt bearbeitet werden. Mögen sich die Arbeiten an einer Baustelle noch so ziehen – die Erklärungen dazu kommen prompt und umfassend.

Laut Stadtverwaltung läuft die Baustelle in der Berliner Straße erfreulicherweise gemäß dem Zeitplan – weil die Fernwärme Transportgesellschaft mbH einen sehr genau abgestimmten Ablaufplan für die am Bau Beschäftigten erstellt hat. “Der Tiefbau öffnet einen Teilbereich, dann kommen der Rohrtransport, der Schweißer und der Isolierer und dann wieder der Tiefbau, der die Baugrube schließt”, erfahren wir in einer Mitteilung. “Dieser Ablauf ist eng aufeinander abgestimmt, damit eine Kontinuität entsteht.”

Im gut ausgearbeiteten Ablauf gebe es allerdings tatsächlich Zeiten, in denen nur ein Schweißer oder ein Isolierer auf der Baustelle arbeite. Die offizielle Erklärung dafür: “Als Außenstehender würde man sich wünschen, dass die Baustelle nur so von Arbeitern wimmeln sollte. Aber das chinesische Prinzip funktioniert hier leider nicht, weil alle Monteure kontinuierlich, ohne Wartezeiten, beschäftigt werden müssen.” Man könne nicht sporadisch nach dem Öffnen des Grabens vier Monteure mit dem Rohrtransport, dann vier Schweißer für jeweils zwei Nähte beschäftigen, die dann wieder warten müssen, bis der nächste Graben offen ist. Ergo: “Die Baustelle könnte dann zwar noch schneller abgewickelt werden, aber die hohen Stillstandszeiten der Monteure würden eine Kostenexplosion verursachen.”

Abhilfe könnte nur geschaffen werden, wenn an mehreren Stellen im Stadtgebiet gleichzeitig lange Strecken offen wären. Dann könnte der Bauablauf mit mehr Personal optimiert werden. “Das wäre traumhaft für den Bauherren – aber katastrophal für die Verkehrsteilnehmer”, so die Stadtverwaltung. Und warum die Sindelfinger Stadtwerke Böblinger Baustellen betreuen? “Diese erbringen eine Dienstleistung im Rahmen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure für die FTG mbH.”

Klare Ansagen von offizieller Seite also, die uns belehren: Hätten wir nur mehr Straßenarbeiten in Böblingen, dann wären wir die nervigen Baustellen schneller wieder los.

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02.07.2010

Wackelturm scheitert an TÜV-Kriterien

Um 11:39 Uhr von Langner in Warum?

Von Dirk Hamann

Warum WackelturmDer 10-Meter-Turm ist eine Zier für das Böblinger Freibad. Majestätisch thront er denkmalgeschützt über dem großen Becken. Unantastbar. Seit rund eineinhalb Jahrzehnten wird von seiner Plattform nicht mehr gesprungen, keine Leiter führt mehr hinauf. Warum das so ist? Darüber werden Jahr für Jahr unter den vor allen Dingen jüngeren Badegästen Legenden gestrickt. Die einen meinen, der Turm wackelt zu sehr, andere sind sich sicher, dass vor Jahren ein Amerikaner nach einem Bauchplatscher vom Turm gestorben ist. Wieder andere behaupten, dass der Leiteraufstieg heutzutage den Sicherheitsbestimmungen nicht mehr genügen.

Letztere Aussage kommt der Wahrheit schon ziemlich nahe. “An unserem wunderschönen historischen Sprungturm hängen nicht nur viele Jugenderinnerungen, sondern auch der Denkmalschutz”, lässt uns die Stadtverwaltung in einer Erklärung wissen. “Dessen Anforderungen und die heute geltenden technischen Vorschriften sind unvereinbar. Schlicht und einfach hat der TÜV dem Springen aus 10 Metern Höhe einen Riegel vorgeschoben.”

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