Von Dirk Hamann
Im Böblinger Siebeneck aufgewachsen, kommen immer wieder Erinnerungen an Höhepunkte der Kindheit auf. Einen Platz ganz vorne in der Rangliste der im Gedächtnis hängen gebliebenen Ereignisse hat das Entenfüttern am Oberen See. Was für ein Spaß für einen Dreikäsehoch, massenhaft Federvieh mit Brotresten in Ekstase zu versetzen! Was für eine Angst, wenn sich Schwäne dazu gesellten und ihrem Recht auf feinste Nahrung mit aufgeplustertem Drohgebärde Nachdruck verschafften.
Dass die wilde Fütterei längst verboten ist, das haben wir mit weinendem Auge einsichtig akzeptiert. Warum aber im Gebiet der beiden Böblinger Seen keine Schwäne mehr leben? Dazu haben wir einfach mal bei der Stadtverwaltung nachgefragt. Die Antwort darauf fiel, gelinde gesagt, ernüchternd aus. “Die Schwäne wandern ab und wieder zu, wie es ihnen gefällt, da haben wir keinen Einfluss”, lautete die Antwort aus dem Böblinger Rathaus.
Mit dieser simplen Auskunft wollten wir uns nicht zufriedengeben – und haben deshalb mal beim Naturschutzbund (NABU) nachgehakt. Doch auch von dort aus gab’s wenig Erbauliches zu hören. Die Auskunft der Stadt sei im Grunde richtig, ließ uns der Fritz Stober von der NABU Ortsgruppe Sindelfingen/Böblingen wissen. Er gab dazu allerdings Auskunft darüber, weshalb Schwäne die Böblinger Seen seit Jahren meiden könnten. “Starke Präsenz von Menschen, eine wenig einladende Betontreppe, viele Hunde, wenig Platz zum Brüten.” Lauter Fakten also, die durch die Gestaltung des Stadtparks zur Landesgartenschau geschaffen wurden. Und die einer neuen Schwanen-Ära wenig Hoffnung geben. Oder? “Das würde ich so nicht sagen”, meint Stober. “Es kann schon sein, dass mal ein Schwan vorbeikommt, dem das alles nichts ausmacht.”
Bis es soweit ist, trösten wir uns eben mit Zeilen von Rainer Maria Rilke, die uns von der Stadtverwaltung mitgeschickt wurden:
“Der Schwan”
Diese Mühsal, durch noch Ungetanes schwer und wie gebunden hinzugehn, gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes. Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn, seinem ängstlichen Sich-Niederlassen -: in die Wasser, die ihn sanft empfangen und die sich, wie glücklich und vergangen, unter ihm zurückziehn, Flut um Flut; während er unendlich still und sicher immer mündiger und königlicher und gelassener zu ziehn geruht.
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