Computer, Handy und Fernseher: Zwischen sinnvoller Nutzung und Abhängigkeit
Vortrag zum Thema Jugend und Medien an der Mildred-Scheel-Schule in Böblingen
Seit der griechischen Antike klagt man über die Jugend, die Autoritäten nicht akzeptiere oder sich zu sehr anpasse, deren schulische Leistungen kontinuierlich schlechter würden, eine Jugend, die immer gewalttätiger werde oder, so der neueste Vorwurf, eine Jugend, die ihre Zeit nur noch vor dem Fernseher oder dem PC verbringe und keine sozialen Kontakte mehr pflege.
Dennoch: obwohl fast alle Familien über ein Fernsehgerät, einen Computer und Handys verfügen, ist für 91 Prozent der Jugendlichen der Kontakt zu Freunden der wichtigste persönliche Kontakt. Leider, und das muss auch gesagt werden, gibt es eine wachsende Zahl von Jugendlichen, vor allem Jungs, deren Mediennutzung zu Sucht und damit zu sozialer Ausgrenzung führt.
Dr. med. Gottfried Maria Barth und Dr. Jamil El Kasmi von der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie der Universitätsklinik Tübingen, die am 11. Februar an der Mildred-Scheel-Schule Eltern und Lehrer über die Gefahren der Mediennutzung informierten, betonen, dass Medien und deren Nutzung differenziert bewertet werden müssen.
So können alle Medien sinnvoll genutzt werden, sie gehören zum Alltag und vermitteln Erfolgserlebnisse. Der PC dient als Informationsquelle oder kann eine Lernhilfe sein. Es liege nicht an den Medien selbst, so Dr. Barth, ob sie eine Bereicherung oder eine Gefährdung darstellen, sondern an der Verfassung des Mediennutzers.
Das problematischste Medium ist für Dr. Barth ohnehin nicht der PC, sondern der Fernseher. Der TV-Nutzer verhält sich völlig passiv, ist in seiner Kreativität beeinträchtigt und erfährt nicht soziales Zusammenleben, sondern Gewalt als primäre Botschaft. Doch auch das Handy ist verantwortlich dafür, dass soziale Fähigkeiten verkümmern, und kann zu Gefühllosigkeit führen, wie das immer weiter verbreitete „Schlussmachen“ per SMS zeigt.
Bleiben der Computer und das Internet. Was macht deren Faszination aus? Der Computer gehorcht, ist immer verfügbar und ermöglicht die Zugehörigkeit zum Freundeskreis. Die Jugendlichen halten sich in Chatrooms auf, stellen sehr private Informationen und Bilder ins Netz oder verbringen ihre Zeit mit Online-Spielen. Eines der Hauptprobleme ist, dass Eltern zu wenig informiert sind und die Gefahren des Internets unterschätzen. So sollten sie ihren Kindern klar machen, dass einmal ins Netz gestellte Daten nicht mehr zu löschen sind und peinliche Fotos später ein Problem für eine Bewerbung darstellen können. Sie sollten sie auch vor Pädophilen oder Betrügern, die sich in Chatrooms tummeln, warnen.
Besonders diskutiert werden zurzeit Spiele wie Counter-Strike oder World of Warcraft, Spiele mit hohem Suchtpotential. Eltern mögen sich fragen, was die Attraktivität dieser Spiele ausmacht, sitzt man scheinbar nur vor dem Computer und versucht, irgend etwas abzuschießen. Doch so banal wie auf den ersten Blick sind diese Spiele nicht. Sie werden gemeinsam online gespielt und bedeuten damit viel Interaktion. Diese Spiele funktionieren nur, wenn sich die Spieler gegenseitig unterstützen – dann wird eine höhere Ebene erreicht, sozusagen ein sozialer Aufstieg für alle in der virtuellen Gemeinschaft. Und genau darin liegt das Suchtpotential. Der erfolgreiche Spieler erhält Wertschätzung, er ist aber nur erfolgreich, wenn er über genügend Spielpraxis verfügt und zuverlässig eine Mindestanzahl an Stunden vor dem Computer verbringt. Der Einzelne kann sich also nicht abmelden, möchte er der Gruppe weiter angehören.
Nicht alle Jugendliche werden süchtig nach solchen Spielen, doch wenn Eltern folgende Verhaltensweisen bei ihren Kindern feststellen können, ist eine Spielsucht, so Dr. Jamil El Kasmi, nicht auszuschließen:
- Die Jugendlichen haben ein unwiderstehliches Verlangen nach Computerspielen und können die Spieldauer nicht mehr kontrollieren.
- Es zeigen sich Entzugserscheinungen wie Schlaflosigkeit.
- Konzentrationsstörungen und schlechte Schulleistungen sind eine logische Folge.
- Kontakte zu bisherigen Freunden werden eingeschränkt oder abgebrochen, es entstehen neue „Freundschaften“ zu ebenfalls Spielsüchtigen.
- Hobbys werden nicht mehr gepflegt.
- Aggressionen und Depressionen treten auf.
Wie können Eltern reagieren? Sie sollten Interesse zeigen und versuchen, die Beziehung wieder aufzubauen, anstatt ihre Kinder ständig zu ermahnen und zu kritisieren. So sollten sie die positiven Seiten der Spiele, wie den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe, anerkennen, aber auch die problematischen Aspekte ansprechen. Ziel ist es, eine Selbstbeschränkung zu vereinbaren und Konsequenzen durchzusetzen, wird diese Selbstbeschränkung nicht eingehalten. Bei Einhaltung der vereinbarten Zeiten müssen die Jugendlichen gelobt und bestätigt werden. Dr. Jamil El Kasmi empfiehlt, eine Reduzierung auf 3-4 Stunden pro Tag schon als Erfolg zu sehen. Ein Fortschritt ist es auch, wenn die Kinder wenigstens einmal pro Woche an einer gemeinsamen Mahlzeit teilnehmen.
Ist die Spielsucht stark ausgeprägt und nimmt das Kind praktisch nicht mehr am Familienleben teil, gibt es in Tübingen ein Angebot für überforderte und hilflose Angehörige. Eltern, deren Lebensqualität stark eingeschränkt ist, weil sie sich nicht mehr trauen auszugehen oder in den Urlaub zu fahren, weil sie wissen, dass ihr Kind dann nahezu 24 Stunden vor dem Computer sitzt, sollen lernen, ihre eigenen Bedürfnisse und Regeln durchzusetzen und wieder ein normales Leben führen zu können.
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Zehn Wochen lang schnupperten Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen der Theodor-Heuss-Hauptschule mit Werkrealschule jeden Dienstag in einen von ihnen gewählten Beruf. Begleitet wurden sie von ihren Lehrern, ganz besonders von ihrem Techniklehrer Herr Kecvric, der den Kontakt zu den Betrieben herstellte und als Ansprechpartner diente. Auch die Agentur für Arbeit stand in der Schule mehrmals für Beratungsgespräche zur Verfügung. Einen weiteren Impuls erhielten die Schülerinnen und Schüler durch die vertiefte Berufsorientierung, die jeden Mittwochnachmittag stattfindet.
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