Hallo liebe Lauffreunde,
uff, pfffh, huiiih… endlich bin ich wieder zu Puste gekommen. Am Donnerstagabend fand das zweite gemeinsame Lauftraining in Maichingen statt. Tobi teilte wieder die Gruppen ein. Waren es in der ersten Woche noch zwei Gruppen, so kristallisierten sich diesmal schon doppelt so viele heraus. Die letzte Gruppe war die, bei der vier Trainingstermine pro Woche auf dem Plan stehen. Nachdem ich jetzt auch so einen Plan habe, stellte ich mich natürlich hier dazu. Sofort fühlte ich mich ganz schön einsam: Um
mich herum standen kaum zehn andere Läuferinnen und Läufer. Einer davon war mein Kollege Simon. Als der seine Freundin Melli in die nächst-langsamere Gruppe schickte, kamen die ersten Bedenken bei mir auf. Als wir gemeinsam los liefen, war noch alles okay. Ich konnte mich sogar noch ganz gut unterhalten. Aber das war nur das Einlauftempo. „Ganz schön zügig“, stellte ich nach zwei Kilometern fest. Worauf Laufteam-Mitglied Tomek meinte, dass dies eigentlich ein lockere Laufeinheit sei und ich solle doch mal meine Herzfrequenz checken. Die Uhr zeigte so um die 204 Schläge pro Minute an. Das verunsicherte mich doch ein wenig. Simon meinte, dass meine Uhr wohl den Wert meines Nebenmannes empfange und die Werte verfälscht seien. Zwischendurch zeigte die Pulsuhr rund 160 Schläge pro Minute an – das war dann schon eher realistisch.
Wie ich gemerkt habe, gibt es abgesehen von der körperlichen Anstrengung noch andere Faktoren, die einem den Puls hochjagen. Die Psycho-Sticheleien der anderen Läufer zum Beispiel. „Diese Woche laufen wir nochmal ein Stück weiter als letzte Woche”, “Diesmal bauen wir ein paar Steigungen ein”, “Diesmal ist das Tempo deutlich höher als letzte Woche”, “Diesmal machen wir auch Liegestütze” … gut, ganz so schlimm war es dann doch nicht. Aber “lockeren Dauerlauf” stelle ich mir anders vor. Normalerweise habe ich auch kein Problem, zumindest verbal Kontra zu geben. In Gesellschaft dieser Gruppe fehlte mir dafür jedoch schlichtweg die Luft.
Bis zur ersten Steigung konnte ich trotzdem noch ganz gut mithalten. Aber dann rasten diese Wahnsinnigen den Berg hoch, als hätten sie jemand, der sie von hinten anschiebt. Als ich diese Etappe geschafft hatte, wollte ich nur noch anhalten. Ich konnte an nichts anderes mehr denken als an Stillstand. Einfach hier im Wald stehen bleiben und die anderen Verrückten weiter rennen lassen. Irgendwie hielt ich doch durch. Dann kam die zweite Steigung. Dort war die Demütigung dann perfekt. Die Jungs und Mädels waren so schnell den Berg oben, dass sie sogar nochmal umdrehten und ganz lässig ein zweites Mal ein Stück hochtrabten – “Wir wollen ja in Bewegung bleiben”, meinte einer. Ja genau…
Simon ließ sich später zu mir zurück fallen und meinte, dass ich auf jeden Fall schon mal fit genug sei, die zehn Kilometer unter einer Stunde zu laufen. Dumm nur, dass ich diese Tortour dann nochmal für mehr als zehn weitere Kilometer durchhalten muss. Nach den vier Steigerungsläufen war bei mir die Luft komplett raus. “So jetzt locker zurück laufen”, meinte unser Betreuer Volker und legte auf den letzten paar hundert Metern (die sich wie ein paar Kilometer anfühlten) ein Tempo vor, dass mich zur Verzweiflung trieb. Mein Lauf-Kumpel Benny blieb zum Glück bis zum Schluss bei mir. Am Ende gab es anerkennendes Abklatschen von den anderen. Immerhin, ich hatte es überlebt. Ob ich nächste Woche nochmal bei dieser Gruppe mitlaufen will, muss ich mir aber schwer überlegen.
Mit atemlosen Grüßen, Eure Rennschnecke24