23.08.2007

Apfel-(Es)S mit Stumpf und Sti(e)l

Um 14:03 Uhr von Langner in Satire und Humor der Marke KREISZEITUNG

Am Anfang war der Apfel. Das steht schon in der Bibel. Es war schließlich keine Banane, mit der Eva Adam verführt hat, sondern eine pomologische Frucht.
Außerdem fängt das Alphabet mit A an. A wie Apfel. Wo begegnet uns diese Baumfrucht nicht überall. Als „Apfel-S“-Speicherverfahren bei McIntosh-PCs. Oder als Beatles-Label mit Vorder- und Rückseite. Die A-Seite ist gekrönt von einer grünen Apple-Ansicht, die B-Seite schaut uns aufgeschnitten entgegen.
Tja, der Apfel, der ist sprichwörtlich gut. An apple a day keeps the doctor away, sagt der Brite. Damit Sie auch morgen noch herzhaft zubeißen können, sagt(e) die Blenda-med-Werbung. (Oder war’s die Reklame für die Haftcreme für die „Dritten“?).
Außerdem gibt es nicht nur zig verschiedene Apfelsorten. Es gibt auch ganz unterschiedliche Verzehrgewohnheiten, auf die einen Blick zu werfen durchaus lohnt. Echt jetzt. Dazu steh’n wir. Auch wenn unser bblive- Mann Edmund „Eddi“ Langner schon wieder zu Scherzen aufgelegt ist: „Was? ‘n Frühstückchen über Apfel Ess-Gewohnheiten? Ja sach ma: Is das Sommerloch jetzt schon sooooo tief?“
Unser Eddi – Lieblingssorte „Braeburn“ – haut am Tag so zirka einen Apfel weg und nennt sich einen Apfel-„Vernunftsesser“.
Irgendwie lebt der Mensch ja nicht nur aus Hamburgern, sondern zieht seine Vitalität auch aus Vitaminen. Langner fasst seinen Braeburn an den „achsialen Griffmulden“ an und arbeitet sich über eine Rotationsachse vorwärts. Er knabbert also gemütlich um den Fruchtball herum. „So wie die Comicfiguren in den Warner-Brothers-Filmen“, sagt der 33-jährige Kinofan über jene Streifen, die er (bis heute) ganz gerne guckt: „Nur wenn ich mehr davon essen will, geh’ ich auch an die Außenflächen.“
Selbige waren für meinen Schreibtisch- Nachbarn Michael Stürm noch nie tabu. Seit Kindheitstagen schon ist Stürm ein Mit-Stumpf-und-Stiel-Esser. Nur dass er den Stiel natürlich übrig lässt; alles andere wäre ja stillos. „Stürmi“ nagt sich mithin langsam von allen Himmelsrichtungen ans Kernhaus heran, und irgendwann zuletzt ist der „Butzen“ dann auch noch fällig. Zurück bleibt nur der Aufhängehaken vom Baum.
„Den zu entsorgen ist dann nicht wirklich mehr ein Problem“, erzählt der Böblinger, der einen Apfel niemals zerteilen würde, weil: „Ich finde, da muss es knacken, da muss das Gebiss hörbar drin versinken.“ Man sieht also: Das Ohr isst mit.

Bei KRZ-Fotografin Annette Wandel dagegen ist es immer noch mehrheitlich das Auge. Womöglich schon berufsbedingt. Doch unsere „awa“ ist auch eine Ästhetin. Also schneidet sie Äpfel grundsätzlich in mundgerechte Stücke und lässt – je nach Laune – die Haut dran oder auch nicht. Danach
kommt das Geschnibbelte in ein Schälchen, wird mit der Kuchengabel aufgespießt und Zug um Zug verspeist. Das macht unsere nette Annette übrigens nicht nur mit Äpfeln so, sondern auch mit Nektarinen oder Birnen, beispielsweise.
Warum? Die Kollegin hat dafür eine einleuchtende Erklärung: „Ich ess’ Obst meistens beim Lesen. Und dabei will ich keine bäppigen Finger“, lacht die 38-Jährige, die auch noch handschriftliche (!) Briefe schreibt und dabei natürlich ebensowenig klebrige Hände brauchen kann. Dieselben Untersuchungen kann man bei uns in der Redaktion übrigens auch machen, indem man andere Stich- und Reizworte in die Runde wirft. Beispielsweise „Bodensee- kontra Importapfel“. Dafür jedoch
ist das Sommerloch wirklich noch nicht tief genug.

Siegfried Dannecker

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