Heute blogge ich etwas verspätet, weil der Junior Cup meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch genommen hat. Das ist auch irgend so ein Fußballhallenturnier im Glaspalast mit U19 Mannschaften, aber das Team der KREISZEITUNG spielt dort nicht mit. Darüber berichtet haben wir trotzdem. Morgen eine ganze Seite lang nachzulesen in der beliebtesten Tageszeitung im Kreis Böblingen. Aber kommen wir zu den noch wichtigeren Dingen des Fußballerlebens: Betriebsfußball. Das KRZ-Turnier stand also fest, eine Mannschaft hatten wir auch, was kommt als nächstes? Schon wieder richtig geraten: das Training.
Erste Pläne sahen vor, in der Sporthalle von Rohrau zu kicken, aber weil die dort ansässigen Volleyballer sich eine Stunde vorher doch entschieden haben, die Halle zu benötigen, fiel das ins Wasser. Wer schon einmal versucht hat, einen Kick unter Freunden zu organisieren, wird wissen, wie schwer es ist, genug Leute zusammen zu bekommen. Dann wird man sich auch denken können, wieviel Spaß es gemacht hat, allen eine Stunde vorher wieder abzusagen. Nur einen habe ich damals nicht erreicht und ich frage mich immer noch, ob der eben einfach beim Volleyball mitgemacht hat, weil er dachte, ich hätte ihm die falsche Sportart genannt. Sollte das so sein, wird er ganz schön blöd gucken, wenn er erfährt, dass es in dieser Sportart gar kein Turnier im Glaspalast gibt. Da er aber mittlerweile für die Betriebsfußball-Gala abgesagt hat, gehe ich davon aus, dass er damals in Rohrau zwar zugesagt hatte, aber einfach nicht erschienen ist. Unzuverlässigkeit zahlt sich manchmal doch aus.
Das erste richtige Training gab es dann in der Galgenberghalle bei der Böblinger Uhlandschule. An dieser Stelle möchte ich auch im Namen meiner Mannschaft ein dickes Dankeschön an Josef Fischer, den Leiter des Böblinger Sportamtes, aussprechen. Dieser hat uns toll unterstützt und war sehr engagiert dabei, uns zu helfen, einen Ort zum Trainieren zu bekommen. Wohlgemerkt kostenlos, was wir ihm umso höher anrechnen. Die Galgenberghalle ist zwar klein – sozusagen ein Schmuckkästchen – und wir mussten auf Eishockeytore spielen, aber das war gar nicht schlecht. Erstens waren wir anfangs sowieso nur zu sechst und erst später zu acht, zweitens muss man da die Tore mehr herausspielen, sollte präziser agieren und kann nicht einfach draufballern und drittens haben sowieso nach fünf Minuten die meisten Mitspieler geschnauft wie eine rostige alte Lok. Halle ist eben doch anders als draußen. Statt langen Wegen im Trab und kürzeren Pausen geht es dort nonstop zur Sache, meistens in hohem Tempo. Die durch einen staubigen Boden sowieso schon rutschige Halle wurde durch den tropfenden Schweiß also noch rutschiger. Erste Blessuren ließen nicht lange auf sich warten. Björn hatte nach einem Sturz eine Beule am Ellenbogen, Frank plagten nach unfreiwilligem Kontakt mit dem Hallenboden kurzzeitig Rückenschmerzen, Nuno zwickte es hinten im Oberschenkel und bei mir bildeten sich Zwei-Euro-Stück-große Blasen an den Fußballen. Wie sagt man doch so schön auf schwäbisch?! Mr isch halt nix mee gwohnt.
Für Training Nummer zwei durften wir umziehen in eine größere Halle, nämlich die im Höfle bei der Pestalozzischule. Eine tolle Halle, um darin zu kicken, ausgestattet mit Handballtoren. Erneut war der Spaß an der Sache groß, auch wenn so manch einem noch das ausgiebige Weihnachtsmahl im Magen lag und dafür sorgte, dass es nach dem Training noch etwas länger dauerte. Schon bei diesem Training ließen einige Spielzüge erahnen, dass durchaus Potential vorhanden ist. OK, andere Spielzüge zeigten wiederum, dass wir das Potential nicht immer abrufen können. Eine Steigerung gab es aber doch: Dieses Mal zeigten sich erst nach zehn Minute erste Anzeichen des Bedarfs für ein großes Sauerstoffzelt. Vor allem bei mir selbst, wie ich hinzufügen möchte, aber das legte sich nach einem kräftigen Schluck aus der Wasserpulle inkl. kurzer Pause wieder. Genauso wie die Leistenprobleme, die drei Mitspieler heimsuchten. Balazs wusste sofort warum: „Weau Weau (das ist mein Spitzname, bitte nicht fragen, warum; Anm. d. Verf.), in der Halle macht man schnelle kurze Bewegungen. Das ist anders als draußen.“ Wie man das auf die Schnelle wieder wegkriegt, konnte er auch nicht sagen. Aber immerhin wusste ich jetzt, woher die Schmerzen kamen, die mich am nächsten Tag durch die Redaktion humpeln ließen. Von den Zwei-Euro-Stück-großen Blasen am Fußballen will ich nicht schon wieder anfangen, es soll nicht der Eindruck entstehen, ich würde nur jammern.
Das dritte Training fand bereits im neuen Jahr statt und war leicht chaotisch. Fehlpässe häuften sich und irgendwie nahm das Niveau ein bisschen ab. Aber selbst der FC Barcelona erwischt mal einen schlechten Tag. Als Leverkusen-Fan hoffe ich, das passiert im Februar gleich zweimal. Ansonsten brach an diesem schicksalsträchtigen Tag auch die Knöchelverletzung von Tobi wieder auf, weshalb wir noch einmal gute Besserung wünschen. Und auch Ama ramponierte sich etwas den Oberschenkel und fiel für das vierte Training aus. Das Team hofft, dass beide rechtzeitig wieder fit sind. Der aufmerksame Leser wird sich denken können, was meine Fußsohle auch dieses Mal wieder zierte, deshalb lasse ich das jetzt mal bewusst weg.
Bei unserem vierten und finalen Training hat dann auch mal mein Cousin Zeit gehabt, den ich vom ersten Mal an zum Mitkicken bewegen wollte, der aber immer verhindert war. Vielleicht auch besser so. Erst stalpt er mir bei meinem geschickt reingewürgten Abstaubertor ans Schienbein. Die Folge: ein blauer Fleck vom Ausmaß eines 1-Cent-Stücks! Aber keine Angst, es sieht so aus, als wäre ich bis zum Turnier wieder auf dem Damm. Ob das jetzt eine Drohung für die Gegner der KREISZEITUNG oder doch eher für meine geschätzten Mitspieler ist, sei dahingestellt. Jedenfalls hat er kurz darauf auch noch unserem Toptransfer in der Abwehr, Marc Herzog, so stark an die Kauleiste geschossen, dass der sich den Nacken kurzzeitig leicht verrenkt hatte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon argwöhnisch Industriespionage vermutet, kam dann aber nach intensiver Nachprüfung zu dem Schluss, dass er bei keiner anderen Mannschaft antritt, sondern beide Szenen einfach nur Pech waren. Handballer gehen eben robuster zu Werke. Der Verdacht wurde auch dadurch minimiert, dass ich selbst schon beim ersten Training während eines gekonnten Lupferversuchs den Ball in die Fresse meines Mitspielers Björn bugsierte und dieser sich zwei Wochen später an Fabi rächte, indem er den Ball in dessen Zentralmassiv untere Bauchgegend knallte. Aber keine Angst, die Stimmung in der Mannschaft ist trotzdem weiterhin perfekt, und damit solche Sachen nicht mehr passieren, trainieren wir ja. René ist übrigens trotz viermaliger Teilnahme meines Wissens nach ganz ohne Blessuren ausgekommen, was die These von Fabian bestätigt, dass er ein Athlet ohne Schwächen sein könnte.
Vielleicht wäre eine persönliche Krankenpflegerin / Physiotherapeutin / Masseurin für unser Team aber dennoch keine schlechte Idee. Ernst gemeinte Bewerbungen (nur inkl. großem Foto!) bitte ich deshalb per Email oder Post an die Sportredaktion der KREISZEITUNG zu schicken. Falls mehrere gutaussehende kompetente Kandidatinnen dabei sind, nehmen wir einfach für jeden Spieler eine, da sind wir flexibel.