29.10.2015

Tag 8 – Staub, Steine, Wind und glänzende Kinderaugen

Um 11:24 Uhr von KRZ-Redaktion in Handball Globetrotters

Von Vanessa Frey

Vorbei an rostigen und bunt bemalten Wellblechhütten marschierte der erste Tross der Handball Globetrotter vom Treffpunkt bei Mama Zulu hinauf zur Kaymandi Primary School. Dabei wurden sie neugierig von den Bewohnern des Townships beäugt. Die Schule selbst besteht momentan noch aus Containern und notdürftigen zusammengezimmerten Klassenräumen. Aber in den nächsten Monaten soll hier eine neue und moderne Schule entstehen, da die Ikaya Primary School zu klein geworden ist für Kayamandi.

Die Handball Globetrotters wurden von einem engagierten Lehrer empfangen, der am liebsten selber mitgespielt hätte. Ohne seine Hilfe wäre es für die jungen BoraBola.-Botschafter ziemlich schwierig geworden. Denn viele der Kinder sprechen nur Xosa.

Als Gastgeschenk gab es für die Schule einen Trikotsatz und nach dem Training noch einen Ballsack.

Pünktlich um 9 Uhr stürmten etwa 40 Jungen und Mädchen auf den staubigen und steinigen Hartplatz. Schon die Aufwärmspiele verlangten den Handball Globetrotters alles ab. Beim Kettenfangspiel rannten die Kinder erst einmal wild durcheinander und konnten nur mit Hilfe des Lehrers „wieder eingefangen“ werden. Das zweite Spiel machten den Kindern riesigen Spaß, brachte die jungen BoraBola.-Botschafterinnen und -Botschafter noch mehr ins Schwitzen. Denn als sie den Kindern die vorbereiteten, aufgeblasenen Ballons übergaben, zerstoben diese und mit ihnen die gesamte Kinderschar in alle Winde. Das stachlige Gras am Rand des Platzes ließ die Ballons immer wieder platzen, und die Kinder rannten sofort wieder zurück zur „Homebase“, um einen neuen Luftballon zu ergattern.

Etwas ruhiger ging es dann in den einzelnen kleinen Trainingsgruppen zu, wo viele der Kinder zum ersten Mal mit einem Handball in Berührung kamen. Die Jungs hätten am liebsten sofort gekickt, konnten aber recht schnell dazu überredet werden, den Ball in die Hand zu nehmen.

One, two, three, four – Goalkeeper

Da sich auf die Frage, wer ins Tor will, bei beiden Trainings fast die ganze Klasse meldete, musste abgezählt werden, wer beim Torwarttraining mitmachen durfte. Dort zeigten sich gleich mehrere Torwarttalente – sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungs.

Das wurde auch bei dem abschließenden Spiel deutlich. Mutig sprangen die Torhüterinnen und Torhüter selbst in die schärfsten Würfe. Mit zunehmender Spielzeit wurden die Torschüsse besser und gezielter. Und als Nicola Scholl mit Hilfe des Lehrers den Mannschaften erklärt hatte, dass man sich freilaufen muss, konnte man deutliche Fortschritte erkennen.

Please, please a balloon?“ „Please come again tomorrow!“

Nach vier Stunden Spiel und Spaß mit Handbällen, Luftballons und fliegenden Markierungshemdchen schienen die Jungen und Mädchen der Kayamandi Primary School noch lange nicht genug zu haben. Nur die Handball Globetrotters waren mit ihren Kräften ziemlich am Ende. Aber die größte Herausforderung sollte noch kommen.

Denn inzwischen hatte sich in der Schule herumgesprochen, dass es auf dem Hartplatz Ballons, Tennisbälle und Regelhefte gab. Und plötzlich waren die Coaches der zweiten Schicht umzingelt von Kindern.

Da es das letzte Training war, verteilten die Globetrotters alles, was noch an kleinen Utensilien übrig war, an die Kinderschar. Immer wieder baten sie: „Please come again tomorrow!“ Wenn auch nicht morgen, aber so manche und mancher unter den Jugendlichen dachte: „Morgen nicht, aber vielleicht später noch mal!“ Denn jeder nahm das Gefühl mit, den Handball nach Südafrika zu bringen, ist eine gute Sache – Borabola.

Morgen geht es zurück in die Heimat. Den Jugendlichen aus Deutschland bleibt noch eine wichtige Aufgabe: sich bei den vielen Menschen zu bedanken, die sie in Südafrika und hier in Kayamandi bei ihrer Mission unterstützt haben.

Angefangen bei Nicola Scholl und ihrer Organisation Play-Handball-ZA; denn sie und ihre Helfer hatten 10 Tage lang alle Hände voll zu tun, um die Handball Globetrotter bei ihrer Mission zu unterstützen. Bei Puti, Veron und Isaak, die sie sicher durch die Townships geleitet haben. Und bei ihren Gastgeberinnen in Kayamandi: bei Mama Zulu, Mama Zoleka, Mama Madiba, Mama Elizabeth, Mama Dyani und Mama Esmi.

CARRY ON!