Servus, werte Kopfschüttler …
Was habe ich aus den Anfängen das Jahres nicht schon alles an (vornehmlich) großartigen Rock-Events nachzutragen – und dabei habe ich doch Besserung gelobt, was die Aktualität meines Bloggerei angeht …aber na ja, es ist ja bekannt, wie das mit den guten Vorsätzen zum Jahresbeginn ist – und leider ist man, was die Verfügbarkeit von Zeit angeht, bisweilen doch auch fremdbestimmt …
Aber genug der lahmen Entschuldigungen, das Jahr hat ja noch genug Wochen, in denen Aktualität erlernbar sein sollte … hier kommen: 2 Monate ROCK!
Das Jahr 2010 begann metallisch vielversprechend mit den „Gods of Metal“ MANOWAR. Die US-Band, die einst einen Lautstärke-Rekord aufgestellt hat, spielte in der neuen Arena in Ludwigsburg auf … jene vollkommen Charme-befreite Auftrittshalle, die nun all die Acts beheimatet, die zu besseren Zeiten einmal in der Böblinger Sporthalle – der Rock-Gott habe sie selig – die Instrumente anstimmten.

MANOWAR by Don S.
So richtig wollte das MOW-Feuer dann auch nicht überspringen, was aber vermutlich nicht an der Arena lag, sondern an der Band. Nach 30 Jahren Bühne haben sich die Posen und Gags der Bombast-Rocker einfach etwas abgeschliffen. Der Sound ist zwar immer noch fett und alle Hits, die die Fangemeinde hören wollte, waren dabei, aber irgendwie wirkte das Ganze leicht lustlos und als hätte man es einmal zu oft gesehen und gehört. Auch mit dem Sexappeal der „Warriors of the World“ ist es inzwischen, und mit ein paar Kilos zu viel, wohl nicht mehr ganz soweit her. Während früher Mädels kaum daran gehindert werden konnten, nackt auf die Bühne zu springen, konnte MOW-Mastermind Joey DeMaio diesmal eine junge Headbangerin trotz aller Überredungsversuche nicht überzeugen, ihr Top wenigstens einmal kurz zu heben. Somit waren MANOWAR in Ludwigsburg zwar laute Bombast-Metal-Hausmannskost, aber das Bombigste des Auftritts blieb die anonyme Bombendrohung, wegen der das Konzert für eine halbe Stunde, bis zur Entwarnung durch die Polizei, unterbrochen wurde.
Wesentlich überzeugender als der Hauptact, trat da die von MANOWAR unterstützte Rockröhre Maria Breon auf,

HolyHell by Don S.
die mit HOLY HELL eine energiegeladene Performance abgab und lediglich durch ihr „80er Jahre-Gedächtnis-Outfit“ bei dem einen oder anderen Rocker irritiertes Kopfschütteln hervorrief … oder vielleicht war es doch Headbangen?
Ganz groß trumpften andere legendäre Bombast-Rocker, die Finnen von STRATOVARIUS, eine Woche später auf:

STRATOVARIUS by Don S.
Die Metal-Größen powerten auf der ersten Tour nach dem Umbau der Band, mit neuem Album „Polaris“ im Gepäck, ihre kraftvollen Riffs im LKA / Longhorn in Wangen von der Bühne und wussten komplett zu überzeugen.

STRATOVARIUS by Don S.
Stets eine Offenbarung und Garant für Top-Perfomances ist die ebenfalls finnische Formation THE 69 EYES.

69 EYES by Don S.
Bereits seit 20 Jahren sind die Dunkelrocker – die zu den Lieblingsbands von MTV-Star und Szene-Badboy Bam Margera zählen – im Geschäft und schaffen es nicht nur ihre Fangemeinde bis heute stets aufs neue zu begeistern, mit ihrem melodisch-melancholisch und doch kraftvollen Rock in der Tradition der SISTERS OF MERCY, gewinnen sie ständig neue und vor allem auch jüngere Fans dazu. Das konnte man auch beim Gig im Stuttgarter LKA / Longhorn merken, wo man eine recht gemischte Zuhörerschaft mit ungewohnt hohem Jugendanteil antraf. Das Auftreten der 69 EYES war perfekt, Sänger Jyrki 69 betörte mit seiner tiefen, sonoren Stimme, eingekleidet in ein schon fast klassisches Rock-Kostüm, mit leichten Metal-, Gothic-, und Punk-Elementen. So legendär wie Jyrkis Stimme, ist auch das Outfit des Frontmannes: Wie immer trat er in schwarzer Lederjacke, mit „Explodierter-Pudel“-Frisur und Sonnenbrille auf. Mit letzterer focht er bei seiner dynamischen Performance, über die Dauer des gesamten Auftritts, einen zähen und bisweilen erheiternden Kampf um das Verbleiben auf seiner Nase aus.

69 EYES by Don S.
Inhaltlich war das Konzert ein Querschnitt aus dem gesamten 69 EYES-Schaffen und mit starken 1,5 Stunden Rock-Power, dürfte auch der letzte Fan auf der Fläche seine Klamotten durchgeschwitzt haben.
Auch die Vorbands an dem Abend im LKA waren hochwertig und passend, wobei die Münchner Formation LACRIMAS PROFUNDERE für mich so etwas wie das inoffizielle deutsche 69 EYES-Double ist.

LACRIMAS PROFUNDERE by Don S.
Die Dunkel-Rocker sind mit ihrer Musik und ihrem Auftreten so nah an den Finnen dran, dass es mir fast zu ähnlich war, denn wenn ich das Original habe, ist das an einem Abend einfach ausreichend.
Mehr Kontrast bot da die italienische Formation MANDRAGORA SCREAM. Natürlich auch im Dunkel-Rock-Segment angesiedelt, ist bei der Band alles auf Sängerin und Bandleaderin Morgan Lacroix ausgerichtet, die mit ihrer flexiblen Stimme höchst abwechslungsreiche Lieder zu Gehör brachte, mit bisweilen überraschenden Harmonien, und, durch starken Fetisch-Einschlag im Outfit, auch optisch etwas zu bieten hatte.

MANDRAGORA SCREAM by Don S.
Den Abschluss der ersten zwei Rock-Monate 2010 in meinem Rockblog machen die US-Metalcorler LAMB OF GOD. Ihren knochentrockenen, druckvollen Gitarren-Sound spielten sie in Stuttgart, in ungewohnter Location, im Zapata und sorgten dort für volles Haus. Die „Lämmer Gottes“ wirken mit ihren Bärten, Bierbäuchen und Zottelhaaren – abgesehen natürlich von Sänger Randy Blythe,

LOG by Don S.
der seine Grunts und Growls gertenschlank präsentiert und wie ein Flummie auf der Bühne umher springt – zwar eher wie Vertreter des finnischen Wald-Rocks,

LOG by Don S.
was sie aber spielen, weist sie ganz klar als Vertreter des Thrash- und Death-Metal aus und ist live jedem zu empfehlen.
Vorgeglüht hatte im Zapata unter anderem die Deathcore-Formation JOB FOR COWBOY und leistete dabei einen wirklich großartigen Job.

JOB FOR A COWBOY by Don S.
Bis zum nächsten Rock-Blog,
rock on!
svo